Alle Tafeln › Kapitel 9 · Anwendungen: Objektlackierung
L-119
Glasfaserspachtel
Faserverstärkter UP-Spachtel für hohe Zug- und Reißfestigkeit
Prüfungsteil 1A 8.3 · A 10
Wozu Fasern
Glasfaserspachtel ist ein etabliertes, aktuell eingesetztes Spezialsystem — nicht der Alltagsspachtel, sondern das Mittel der Wahl für mechanisch hoch belastete Stellen: große Löcher und Durchrostungen, GFK-Karosserieteile (Kunststofffahrzeuge, Sportboote) und Stellen, an denen normaler UP-Spachtel zu spröde bricht. Für reguläre Dellen und Schrammen bleibt UP-Spachtel (→ L-118) Standard.
Wird von einer Spachtelmasse hohe mechanische Zug- und Reißfestigkeit verlangt, ist der Zusatz faserförmiger Stoffe vorteilhaft. Verwendet werden Fasern von etwa 0,15 bis 18 mm Länge, anorganisch (z. B. Glasfasern) oder organisch. Grundlage bleibt ein ungesättigtes Polyesterharz in Styrol, gehärtet mit einer Peroxid-Härterpaste (Aufbau und Härtung siehe L-118).
Packungsdichte
Die Packungsdichte ist der Anteil des ausgefüllten Volumens am Gesamtvolumen einer Füllstoffpackung. Mischt man Teilchen unterschiedlicher Größe, steigt sie, weil kleine Teilchen die Hohlräume zwischen großen ausfüllen. Eine höhere Packungsdichte kann den erforderlichen Bindemittelanteil und die Porosität verringern; die resultierende Wasser- und Gasdurchlässigkeit hängt zusätzlich von Bindemittel, Porenstruktur und Füllstoffoberfläche ab. Als Füllstoff dient u. a. Schwerspat (Bariumsulfat) mit guter Benetzbarkeit und Hitzebeständigkeit.
Plastizität und Standvermögen
Plastizität bezeichnet ein Fließverhalten mit Fließgrenze: Ohne Scherkraft fließt das Material nicht, erst beim Spachteln sinkt die Viskosität. So hat die Masse hohes Standvermögen und läuft auch an senkrechten Flächen nicht ab, lässt sich aber gut auftragen.
Fasern einarbeiten, Blasen vermeiden
Zu hoher Schereintrag (z. B. mit dem Dissolver) kann bestimmte Fasern verkürzen oder beschädigen und dadurch die Verstärkungswirkung vermindern; die Empfindlichkeit hängt von Faserart und Prozess ab. Deshalb die Fasern langsam und mit langsam laufenden Aggregaten einrühren. Blasen in der Spachtelschicht entstehen z. B. durch fehlerhafte Vorbehandlung, Restfeuchte oder überlagerte Materialien.
Umwelt und Sicherheit
Beim Verarbeiten der Glasfasern Staubmaske tragen, um das Einatmen feiner Glasstaub-Partikel zu vermeiden. Für Styrol und die Peroxid-Härterpaste gelten die Hinweise aus L-118: Styrol lösemittelarm und gut belüftet verarbeiten, Peroxid nie unmittelbar mit dem Beschleuniger mischen.
Merksatz
Glasfaserspachtel = UP-Spachtel + Fasern für Zug-/Reißfestigkeit zum Überbrücken von Löchern und Rissen. Hohe Packungsdichte spart Bindemittel, Plastizität gibt Standvermögen, Fasern schonend einrühren — und Glasstaub-Schutz nicht vergessen.
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
Übungsblatt Ü-119
Prüfen, ob es sitzt.
1. Was bewirken die Fasern in einem Glasfaserspachtel, und was versteht man unter der Packungsdichte der Füllstoffe?
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2. Ein Glasfaserspachtel wird mit Härterpaste im Massenverhältnis Harz : Härterpaste = 100 : 2,5 angesetzt. Wie viel Härterpaste braucht man für 400 g Harz?
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3. Warum müssen die Glasfasern schonend eingearbeitet werden, und worauf ist beim Arbeitsschutz zu achten?