Alle Tafeln › Kapitel 10 · Spezial- und Funktionsbeschichtungen
L-129
Funktionelle Beschichtungen — Überblick
Easy-to-clean, selbstreinigend, antimikrobiell, kratzfest
Prüfungsteil 1A 9
Was funktionelle Beschichtungen leisten
Neben Schutz und Farbe erfüllen sie eine gezielte technische Funktion. Als Matrix dienen oft anorganisch-organische Hybride (Sol-Gel-Systeme). Gängige Gruppen sind Easy-to-clean/hydrophob, photokatalytisch-selbstreinigend, antimikrobiell und kratzfest.
Easy-to-clean und hydrophob
Niedrige Oberflächenenergie und ein hoher Wasser-Kontaktwinkel (über 90–100°, superhydrophob über 150° — Lotuseffekt) können die Benetzung durch Wasser vermindern; Easy-to-clean-Eigenschaften hängen zusätzlich von Oberflächenchemie, Rauheit und Verschmutzungsart ab. Erreicht wird das über Fluor- oder Siliconchemie. Fluorhaltige Systeme beruhen dabei meist auf PFAS; diese Stoffgruppe steht unter einem laufenden europäischen Beschränkungsverfahren, weshalb siliconbasierte und andere fluorfreie Alternativen an Bedeutung gewinnen. Die Wischfestigkeit (Randwinkel-Abnahme nach vielen Reibzyklen) ist ein wichtiges Prüfmerkmal.
Photokatalytisch selbstreinigend
Photokatalytisch aktives TiO₂ (z. B. Anatas) kann unter geeigneter UV-Bestrahlung reaktive Spezies bilden, die bestimmte organische Verunreinigungen abbauen können. Zugleich wird die Oberfläche superhydrophil: Wasser läuft als geschlossener Film ab und spült die gelösten Reste weg. TiO₂ wirkt als Photokatalysator und wird im idealisierten Reaktionszyklus nicht stöchiometrisch verbraucht; ein Abbau von Gerüchen oder Luftschadstoffen ist nur unter geeigneten Bedingungen und mit entsprechendem Nachweis zu erwarten.
Antimikrobiell und kratzfest
Antimikrobielle Beschichtungen wirken über Silber- oder Kupferionen oder über Photokatalyse. Der Nachweis der antibakteriellen Wirkung erfolgt bei ionisch wirkenden Systemen nach ISO 22196, bei photokatalytischen Systemen nach ISO 27447 — dort wird unter definierter UV-Bestrahlung geprüft. Beide Normen prüfen nur Bakterien; für Pilze und Viren sind eigene Verfahren nötig. Kratzfeste Klarlacke enthalten SiO₂-Nanopartikel (Nanokomposit), die Kratz- und Abriebfestigkeit erhöhen — bekannt vom kratzfesten Automobil-Klarlack.
Umwelt und Sicherheit
Beim Umgang mit Nanopartikeln Stäube und Aerosole nicht einatmen (Absaugung, Schutzausrüstung). Biozide Wirkstoffe unterliegen der Biozidverordnung; nur REACH-konforme, freigegebene Rohstoffe einsetzen.
Merksatz
Funktionell = Zusatzfunktion. Easy-to-clean: niedrige Oberflächenenergie, Wasser-Kontaktwinkel über 90 bis 100° — Rauheit und Schmutzart entscheiden mit. Selbstreinigend: Nano-TiO₂ + UV → superhydrophil + Radikale. Antimikrobiell: Ag/Cu (ISO 22196) bzw. Photokatalyse (ISO 27447). Kratzfest: SiO₂-Nanokomposit.
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
- ISO 22196
- ISO 27447
- Verordnung (EU) Nr. 528/2012 (Biozidverordnung)
Übungsblatt Ü-129
Prüfen, ob es sitzt.
1. Wie funktioniert eine photokatalytisch selbstreinigende Beschichtung?
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2. Ein kratzfester UV-härtender Klarlack (100 % Festkörper, Dichte 1,10 g/cm³) enthält 4,0 Ma-% SiO₂-Nanopartikel (Partikeldichte 2,2 g/cm³). Berechnen Sie den Volumenanteil des SiO₂ im ausgehärteten Film.
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3. Für einen häufig berührten Handlauf im Krankenhaus soll eine funktionelle Beschichtung gewählt werden. Was empfehlen Sie und wie sichern Sie die Wirkung ab?