Alle Tafeln › Kapitel 11 · Druckfarben
L-144
Druckverfahren im Überblick
Offset, Flexo, Tiefdruck, Siebdruck, Inkjet, Elektrofotografie — Viskositäten, Schichtdicken und Anforderungen
WahlqualifikationB 11
Verfahrensvergleich mit typischen Kennwerten
Die folgende Tabelle gibt Richtwerte. Tatsächliche Werte hängen von Rezeptur, Maschinentyp, Substrat und Druckgeschwindigkeit ab.
Offset | Viskosität: pastös; Orientierungswerte 40–100 Pa·s (oxidativ trocknend und UV), Heatset 20–75 Pa·s, Coldset 3–6 Pa·s (siehe L-142, L-145) | Schichtdicke: 1–3 µm | Trocknung/Härtung: Wegschlagen, Oxidation, Heatset oder UV | Typische Substrate: Papier, Karton
Flexo | 50–300 mPa·s (niedrigviskos) | 1–5 µm | Verdunstung (LM/Wasser) oder UV | Papier, Karton, Folie, Well-/Vollpappe
Tiefdruck | 50–150 mPa·s (niedrigviskos) | 1–8 µm | Verdunstung | Folie, Papier, Aluminiumlaminat (Verpackung)
Siebdruck | 1–100 Pa·s (systemabhängig) | 15–100 µm | Verdunstung, UV oder thermisch | Textil, Glas, Metall, Kunststoff, Elektronik
Inkjet | 2–15 mPa·s (sehr niedrigviskos) | 1–3 µm | Verdunstung, UV oder thermisch | Papier, Folie, Textil, Keramik (breites Spektrum)
Elektrofotografie/Toner | Toner als Feststoff; bei Flüssigtoner: Trägerlösung | 5–15 µm | Thermische Fixierung | Papier, Karton; begrenzt Folie
Was diese Unterschiede für den Laboranten bedeuten
Viskositätsmessung: Für Offset (pastös) wird der Fallstab nach ISO 12644 eingesetzt. Für Flexo und Tief reicht oft ein Auslaufbecher (DIN 4), für Siebdruck ist ein Rotationsviskosimeter mit Fließkurve besser geeignet. Inkjet-Tinten verlangen temperaturgenaue Kapillarmessungen.
Schichtdicken-Konsequenz: Eine Druckfarbe mit zu geringer Farbstärke kann auf 1–3 µm kein ausreichendes Druckbild liefern. Deshalb sind Farbstärke und Dispergierqualität wichtiger als bei Lacken.
Trocknungsanlage: Verdunstungssysteme brauchen Trockenkanal, UV-Systeme Strahler, thermische Systeme eine Fixiereinheit. Die Farbe muss zur Anlage passen — nicht umgekehrt.
Der Bedruckstoff ist Teil des Systems
Papier und Karton können Flüssigkeit aufnehmen; Folien, Metall und Glas sind überwiegend nicht saugend. PE und PP besitzen eine niedrige Oberflächenenergie.
Deshalb sind Benetzung, Vorbehandlung und Bindemittelauswahl besonders wichtig. Corona, Plasma oder Beflammung können die Oberfläche aktivieren; die Wirksamkeit nimmt mit der Zeit ab und muss geprüft werden (Prüftinten/Dyne-Level).
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
- ISO 12644
Übungsblatt Ü-144
Prüfen, ob es sitzt.
1. Ordnen Sie folgende Viskositätsbereiche den Druckverfahren zu und begründen Sie, warum diese Unterschiede bestehen: a) 2–15 mPa·s; b) 50–300 mPa·s; c) 40–100 Pa·s; d) 1–100 Pa·s.
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2. Warum ist der Bedruckstoff bei Druckfarben kein neutraler Untergrund, sondern Teil des Systems?
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3. Ein Verpackungshersteller will von lösemittelbasiertem Tiefdruck auf Flexodruck (wasserbasiert) umstellen. Welche Veränderungen ergeben sich für Druckfarbe, Anlage und Substrat?