Alle Tafeln › Kapitel 12 · Prüf- und Messtechnik
L-156
Haftfestigkeit und Verformbarkeit — Prüfung
Gitterschnitt, Stirnabzug, Tiefung und Dornbiegung
Prüfungsteil 1A 7.1
Haftfestigkeit
Beim Gitterschnitt (DIN EN ISO 2409) wird ein Gitter in die Schicht geschnitten; die Klassifizierung erfolgt in Gt-Klassen von Gt 0 (kein Abplatzen) bis Gt 5 (starkes Abplatzen), oft mit Klebeband abgezogen (Tesa-Abriss). Der Stirnabzug bzw. Abreißversuch (DIN EN ISO 4624, pull-off) klebt einen Prüfstempel auf und zieht ihn senkrecht ab; die Abreißkraft je Fläche ist ein Absolutwert.
Wichtige Abgrenzung: Gitterschnitt ≠ Haftfestigkeit
Prüfungsfalle Nr. 1: Der Gitterschnitt (ISO 2409) liefert nur einen Haftwiderstandsindex (Gt 0–5), also eine Relativbewertung — keinen quantitativen Absolutwert der Haftfestigkeit in N/mm². Typische Spezifikationsgrenze: Gt ≤ 1 oder Gt ≤ 2. Wer eine Haftfestigkeit in N/mm² braucht, muss die Pull-off-Prüfung (ISO 4624) wählen: Abreißkraft [N] ÷ Stempelfläche [mm²] = Haftfestigkeit [N/mm²]. Typische Werte: Industrielack auf Stahl ≥ 5 N/mm²; Anforderung je nach Norm und Anwendung unterschiedlich.
Verformbarkeit
Bei der Tiefung nach Erichsen (DIN EN ISO 1520) drückt ein Stempel das lackierte Blech von hinten durch, bis Riss oder Abplatzen auftritt. Beim Dornbiegetest (DIN EN ISO 1519) wird das Blech über einen Dorn gebogen; ein kleinerer Dorndurchmesser bedeutet eine stärkere Biegebeanspruchung und damit eine strengere Prüfung.
Schnelle Stoßverformung
Die Steinschlagprüfung (z. B. Multischlag mit Stahlschrot) schießt harte Körper auf die lackierte Fläche; beurteilt wird das Schadensbild. Diese schnelle Stoßbelastung ist besonders für Automobillacke praxisrelevant und ergänzt die langsame Verformungsprüfung.
Aussagekraft
Haftung und Verformbarkeit sind unterschiedliche Eigenschaften und sollten getrennt geprüft werden; ein einzelner Test genügt selten. Untergrund, Schichtdicke und Vernetzungsgrad beeinflussen das Ergebnis stark — daher mehrere Verfahren kombinieren und unter definierten Bedingungen prüfen.
Umwelt und Sicherheit
Bei Steinschlag- und Stoßprüfungen Splitter- und Augenschutz tragen. Klebstoff- und Prüfmittelreste sowie beschichtete Prüfbleche sachgerecht entsorgen.
Merksatz
Haftung: Gitterschnitt Gt 0–5 (DIN EN ISO 2409), Stirnabzug/pull-off = Absolutwert. Verformung: Tiefung (Erichsen), Dornbiegung. Steinschlag = schnelle Stoßbelastung. Mehrere Tests kombinieren.
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
- DIN EN ISO 2409
- DIN EN ISO 1519
- DIN EN ISO 1520
- DIN EN ISO 4624
Übungsblatt Ü-156
Prüfen, ob es sitzt.
1. Beschreiben Sie den Gitterschnitt und den Stirnabzug zur Haftungsprüfung.
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2. Beim Stirnabzug reißt ein Prüfstempel mit 20 mm Durchmesser bei einer Kraft von 450 N ab. Berechnen Sie die Abreißspannung (Haftfestigkeit) in MPa.
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3. Ein Autolack soll auf Verformbarkeit und Steinschlagfestigkeit geprüft werden. Welche Tests wählen Sie und warum kombinieren Sie sie?