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Alle Tafeln › Kapitel 7 · Wasserlacke und Elektrotauchlackierung

L-74

Sekundärdispersionen

Erst das Bindemittel bauen, dann ins Wasser bringen

Prüfungsteil 2B 12 · A 10

KernaussageBei der Sekundärdispersion wird das fertige Bindemittel getrennt hergestellt und dann in Wasser dispergiert — über eingebaute ionische Gruppen selbstdispergierend.

Was eine Sekundärdispersion ist

Anders als bei der Primärdispersion (im Wasser polymerisiert, siehe L-73) wird das Bindemittel hier zuerst getrennt hergestellt — in Lösung oder Schmelze — und erst danach in Wasser dispergiert (siehe L-72). Sekundärdispersionen können feine Teilchen aufweisen; ein genereller Größenvergleich mit Primärdispersionen ist jedoch nicht als Definitionsmerkmal geeignet.

Warum dieser Umweg

Der Umweg erlaubt ein maßgeschneidertes Bindemittel mit definierter Struktur und Molmasse, das sich nicht direkt im Wasser aufbauen lässt — allen voran Polyurethane. Auch Epoxid- und Alkydharze lassen sich so ins Wasser bringen; man verbindet definierte Chemie mit einem wässrigen System.

Selbstdispergierend durch eingebaute Gruppen

Damit das Bindemittel im Wasser stabil bleibt, baut man ionische Gruppen ein — meist Carboxylgruppen, die neutralisiert werden (siehe L-75). Dadurch wird es selbstdispergierend und braucht wenig oder keinen Emulgator. Die neutralisierten Gruppen sitzen an der Teilchenoberfläche und stabilisieren elektrostatisch.

Polyurethandispersionen (PUD)

Der wichtigste Fall: Ein NCO-terminiertes Präpolymer mit eingebauten Carboxylgruppen wird neutralisiert, in Wasser dispergiert und mit einem Amin oder Hydrazin kettenverlängert (Präpolymer-Ionomer-Verfahren). So entsteht ein hochmolekulares Polyurethan im Wasser (siehe L-25) — die Molmassen-Obergrenze, die L-70 für kolloidale Sekundärdispersionen nennt, gilt für diese kettenverlängerten Systeme nicht. Die Kettenverlängerung treibt die Molmasse hoch, ohne dass die Dispersion zäh wird.

Eigenschaften und Anwendung

Sekundärdispersionen haben meist feine Teilchen und hohe Molmasse; sie ergeben hochwertige, elastische und beständige Filme. Polyurethandispersionen finden sich in Automobil-, Industrie- und Holzlacken. Sie sind emulgatorarm und daher wasserfester als viele Primärdispersionen, was ihren höheren Preis rechtfertigt.

Merksatz

Sekundärdispersion: erst das Bindemittel bauen, dann dispergieren. Eingebaute, neutralisierte Carboxylgruppen machen es selbstdispergierend — Standard für hochwertige Polyurethandispersionen — emulgatorarm und beständig.

SekundärdispersionPolyurethandispersionPUDPräpolymerPräpolymer-Ionomer-VerfahrenKettenverlängerungCarboxylgruppeselbstdispergierendNeutralisationIsocyanathochmolekularAcrylatdispersion
Quellen
  • Müller/Poth, Lackformulierung und Lackrezeptur
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie

Übungsblatt Ü-74

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Was ist eine Sekundärdispersion, und wie bleibt das Bindemittel im Wasser stabil?

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DefinitionDas Bindemittel wird zuerst getrennt hergestellt (in Lösung oder Schmelze) und erst danach in Wasser dispergiert — anders als die im Wasser polymerisierte Primärdispersion (siehe L-73).
WarumSo lässt sich ein maßgeschneidertes Bindemittel mit definierter Struktur bauen, z. B. ein Polyurethan.
StabilitätMan baut ionische Gruppen ein — meist Carboxylgruppen, die neutralisiert werden; das Bindemittel wird selbstdispergierend und braucht wenig Emulgator.
VorteilWenig Emulgator bedeutet bessere Wasserfestigkeit des Films.
Warum das eine Eins verdientDie Sekundärdispersion wird gegen die Primärdispersion abgegrenzt und die Selbstdispergierung über eingebaute, neutralisierte Carboxylgruppen richtig erklärt.
Berechnung8 Punkte

2. Eine Polyurethandispersion hat 35 % Festkörper. Wie viel Dispersion wird für einen Trockenfilm von 3,5 kg benötigt, und wie viel Wasser enthält diese Menge?

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GegebenFestkörper = 35 %; Trockenfilm = 3,5 kg
AnsatzDispersionsmenge = Trockenfilm / Festkörpergehalt
Rechnung3,5 kg / 0,35 = 10,0 kg
AntwortsatzEs werden 10,0 kg Dispersion benötigt; davon sind 6,5 kg Wasser.
Warum das eine Eins verdientAus Trockenfilm und Festkörpergehalt wird die Dispersionsmenge korrekt bestimmt und der Wasseranteil richtig erkannt.
Anwendung7 Punkte

3. Beschreiben Sie in Stichworten den Weg von einem Präpolymer zur fertigen Polyurethandispersion (Präpolymer-Ionomer-Verfahren).

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PräpolymerEin NCO-terminiertes Präpolymer mit eingebauten Carboxylgruppen wird hergestellt (siehe L-25).
NeutralisierenDie Carboxylgruppen werden mit einem Amin neutralisiert — das Präpolymer wird selbstdispergierend.
DispergierenDas neutralisierte Präpolymer wird in Wasser dispergiert.
KettenverlängernMit einem Amin oder Hydrazin wird kettenverlängert; es entsteht ein hochmolekulares Polyurethan im Wasser.
Warum das eine Eins verdientDie vier Schritte (Präpolymer, Neutralisieren, Dispergieren, Kettenverlängern) werden in richtiger Reihenfolge genannt — das Kernprinzip der PUR-Dispersion.

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