Der Lacklaborant Lernwerk

Alle Tafeln › Kapitel 9 · Anwendungen: Objektlackierung

L-117

Farbtonangleich und Beilackierung

Den vorhandenen Farbton treffen und unsichtbar reparieren

WahlqualifikationB 7 · B 3

KernaussageBeim Reparaturlackieren soll der neue Farbton möglichst genau an den gealterten Altlack angepasst werden — dafür dienen Mischsysteme, Farbmessung und die Technik der Beilackierung.

Das Problem: den Ton treffen

Der Altlack ist gealtert und weicht oft vom Originalton ab; dazu kommt die Serienstreuung der Farbtöne. Ein nur nach Farbcode gemischter Ton passt deshalb selten exakt. Die Abweichung wird als Farbabstand ΔE*ab = √(ΔL*² + Δa*² + Δb*²) gemessen (Details siehe L-163), der möglichst klein bleiben soll.

Mischsysteme — wer mischt wie

Große Karosserie-Fachbetriebe haben eigenes Mehrwinkel-Spektrophotometer + vollständige Mischbank (je Lacklinie rund 60–120 Mischlacke in Rührdosen, automatische Dosierwaage). Die Software (z. B. Standox Standowin iQ, Glasurit Color Online, Sikkens MIXIT mit Automatchic-Messgerät) liest den gemessenen Farbton, schlägt aus der Herstellerdatenbank die beste Rezeptur oder Variante vor und druckt das Einwaageprotokoll. Gemischt wird im Betrieb selbst — sofort einsatzbereit.
Kleinere Betriebe ohne Vollausstattung: Farbcode + Fahrzeug-ID → Bestellung beim Lackhändler → der Händler mischt per Software aus seiner Mischbank und liefert die fertig getönte Dose (häufigste Praxis kleiner Werkstätten).
Varianten im System: Ein Farbcode hat oft 5–15 Rezeptvarianten (Serienstreuung bei OEM-Lackierung, Karosserieteil vs. Stoßstange, Alterung). Das Spektrophotometer wählt die passende Variante — besser als reines Farbcode-Nachschlagen.
Für Effektlacke: Mehrwinkel-Messung bei 15°, 45°, 110° (gegenüber dem Glanzwinkel) erfasst Flop und Textur der Metallic/Perleffekte — ein Einwinkelgerät reicht hier nicht.
Eine Ausspritzkarte (Musterblech) sichert den Ton vor der eigentlichen Reparatur ab.

Verblenden (Blending) — Schritt für Schritt

Das Problem: Selbst bei perfekt getroffenen Farbtönen entsteht an der Kante zwischen frisch lackiertem und altem Bauteil eine sichtbare Linie — neuer Klarlack hat andere Textur als gealterter Altklarlack; bei Metallic-Effektlacken ändert sich der Flop minimal mit jeder Schichtdickenabweichung.
Lösung — Verblenden Schritt für Schritt:
1. Schadstelle ausbessern, Füller anschleifen, Untergrund fertigstellen.
2. Basislack auf der Reparaturzone applizieren; danach die Spritzdistanz erhöhen, Lackmenge reduzieren und Blendzusatz (spezielle Verdünnung, die den BL transparent macht) beimischen → der Basislack läuft mit abnehmendem Farbtonanteil 10–20 cm in das Nachbarbauteil (z. B. Tür) hinein. Keine harte Kante, sondern eine breite Ausblendzone.
3. Klarlack über das gesamte reparierte Bauteil ziehen und die Basislack-Ausblendzone im Nachbarbauteil vollständig überdecken — der Klarlack reicht also weiter als der Basislack (Richtwert 25–40 cm, bzw. bis zur nächsten Sicke, Kante oder Bauteilgrenze). Nur so liegt die Klarlackkante außerhalb der Ausblendzone, und es bleibt kein ungeschützter Basislack stehen.
4. Klarlackkante anpolieren (Stufenpolitur): Den Übergang von neuem zu altem Klarlack auspolieren, bis keine Höhenstufe mehr fühlbar ist.
Ergebnis: keine sichtbare Reparaturkante. Bei Metallic besonders wichtig, weil 5 µm Schichtdickenunterschied im Basislack den Flop und damit die Helligkeit des Tons sichtbar verändern.

Spot-Repair

Kleine Schäden wie Steinschläge oder Kratzer werden punktuell instand gesetzt (Spot-Repair) — das ist schneller und materialsparender als eine Vollreparatur des Bauteils.

Merksatz

Der Altlack ist gealtert → nach Code allein trifft man den Ton selten. Mischbank + Spektralphotometer (Mehrwinkel für Effekt) + Ausspritzkarte liefern die passende Rezeptur; Beilackierung/Blending macht den Rest-Unterschied unsichtbar.

FarbtonangleichFarbcodeVarianteMischbankSpektralphotometerMehrwinkelmessungAusspritzkarteBeilackierungBlendingSpot-RepairSerienstreuung
Quellen
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
  • Müller/Poth, Lackformulierung und Lackrezeptur

Übungsblatt Ü-117

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Warum trifft ein nur nach Farbcode gemischter Ton den vorhandenen Lack selten exakt, und wie löst man das?

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AlterungDer Altlack ist gealtert und weicht vom Originalton ab; dazu kommt die Serienstreuung.
MessungEin Spektralphotometer (bei Effektlacken ein Mehrwinkelgerät) misst den Altlack und schlägt die beste Rezeptur/Variante vor.
AbsicherungEine Ausspritzkarte prüft den Ton vor der eigentlichen Reparatur; die Abweichung wird als ΔE beurteilt (siehe L-163).
Warum das eine Eins verdientAlterung/Serienstreuung als Ursache sowie Spektralphotometer und Ausspritzkarte als Lösung werden genannt.
Berechnung8 Punkte

2. Ein Spektralphotometer vergleicht die Ausspritzkarte mit dem Altlack und liefert ΔL* = −0,6, Δa* = +0,9 und Δb* = −1,2. Berechnen Sie den Farbabstand ΔE*ab und beurteilen Sie, ob der Ton ohne Beilackierung übernommen werden kann.

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FormelΔE*ab = √(ΔL*² + Δa*² + Δb*²)
EinsetzenΔE*ab = √(0,6² + 0,9² + 1,2²) = √(0,36 + 0,81 + 1,44) = √2,61
ErgebnisΔE*ab = 1,62
BeurteilungEin ΔE um 1 liegt bei geübten Beobachtern etwa an der Wahrnehmbarkeitsgrenze. 1,62 ist damit sichtbar — vor allem an einer direkt angrenzenden Fläche, wo beide Töne unmittelbar nebeneinanderliegen und das Auge sehr empfindlich vergleicht.
KonsequenzEntweder die Rezeptur über eine Variante nachstellen oder — der übliche Weg — beilackieren: Der Basislack wird in die Nachbarfläche ausgelaufen und verblendet, sodass es keine harte Kante gibt, an der sich die Töne vergleichen lassen.
HinweisFeste Toleranzgrenzen gibt es nicht allgemein; sie hängen von Hersteller, Bauteil und Farbton ab. Bei Effektlacken ist zusätzlich der Flop über mehrere Messwinkel zu beurteilen — ein einzelner ΔE-Wert reicht dort nicht.
Warum das eine Eins verdientDie ΔE-Formel wird korrekt angewendet. Für die volle Punktzahl muss der Wert praktisch gedeutet werden — sichtbar an der angrenzenden Fläche, deshalb Beilackierung — und bei Effektlacken die Mehrwinkelbetrachtung über mehrere Messwinkel genannt werden.
Anwendung6 Punkte

3. Was versteht man unter Beilackierung (Blending) und warum ist sie gerade bei Effektlacken wichtig?

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PrinzipDer Basislack läuft in die angrenzende Fläche aus und wird dort verblendet; der Klarlack wird über das ganze reparierte Bauteil gezogen und muss die Basislack-Ausblendzone im Nachbarbauteil vollständig überdecken — er reicht also weiter als der Basislack, damit kein ungeschützter Basislack stehenbleibt.
ZweckEin kleiner, unvermeidlicher Farbunterschied wird so unsichtbar.
EffektlackeBei Metallic/Perlglanz fällt schon eine geringe Abweichung durch den Flop auf — Blending gleicht das weich aus.
Warum das eine Eins verdientDas Blending-Prinzip und der Grund für seine Bedeutung bei Effektlacken werden erklärt.

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