Alle Tafeln › Kapitel 10 · Spezial- und Funktionsbeschichtungen
L-133
Strukturlacke
Struktur als Effekt — Lackstörungen gezielt genutzt
Prüfungsteil 1A 9
Was Strukturlacke sind
Bei Strukturlacken werden definierte Trocknungs- und Oberflächeneffekte gezielt zur Erzeugung einer gewünschten Struktur genutzt. Dazu gehören Runzel- und Reißlacke, Hammerschlaglacke (siehe L-132) sowie Ledernarben- und Kunstlederlacke (Kunstlederplastik). So lassen sich kleine Unebenheiten überdecken oder ein bestimmtes Aussehen (z. B. Armaturenbretter) erzeugen.
Runzel- und Rissbildung
Runzelbildung: Trocknet die Oberfläche deutlich schneller als die darunterliegende Schicht, entstehen Schrumpf- und Spannungsunterschiede, die den Film zu Runzeln aufwerfen. Gezielt erzeugt wird das über eine starke Oberflächensikkativierung (z. B. Cobalt-Sikkativ) oder über schnell verdunstende Lösemittel. Rissbildung: Ein geeigneter Unterschied in Trocknung, Schrumpfung und Filmbildung zwischen Grund- und Deckschicht kann Rissbildung begünstigen; ein magerer Decklack auf fetterem Grundlack ist ein möglicher Ansatz.
Bindemittel
Für die grobe Narbe wird oft ein 2K-System aus OH-Polymer und Polyisocyanat verwendet; für Kunstlederplastik auch physikalisch trocknende Kombinationen aus Polyvinylchlorid und Poly(meth)acrylat. Additive sind vor allem Antiabsetz-, Thixotropier- und Verdickungsmittel; ein Katalysator (z. B. für die Isocyanatvernetzung) kann zugegeben werden.
Applikation und Prüfung
Bei grober Narbe wird zunächst eine deckende Schicht mit verdünntem Lack gespritzt, dann das unverdünnte Material mit relativ großer Düse und geringem Spritzdruck appliziert; die Struktur wird wesentlich durch Viskosität, Düsengröße, Spritzdruck, Schichtdicke und Trocknungsverhalten beeinflusst: Je höher die Verarbeitungsviskosität und je gröber die Zerstäubung, desto weniger verläuft das Material und desto gröber bleibt die Narbe. Die Rautiefe misst man mit einem Tastschnitt- oder geeigneten optischen Verfahren; den Wassergehalt (bei 2K-PUR wichtig) mit der Karl-Fischer-Titration.
Umwelt und Sicherheit
Bei der Spritzapplikation nur in abgesaugter Kabine arbeiten; beim Spritzen entstehen Lackaerosole, der Atemschutz wird nach Gefährdungsbeurteilung und Expositionssituation ausgewählt (z. B. Kombinationsfilter A2-P2; bei höherer Belastung und isocyanathaltigen Härtern umluftunabhängiger bzw. Gebläseatemschutz nach TRGS 430). Eine Staubmaske reicht nicht: Sie hält Lösemitteldämpfe nicht zurück. Dazu Schutzbrille und Schutzkleidung; der Kompressor gehört außerhalb der Kabine bzw. EX-geschützt. Isocyanat-Härter sind in der Regel atemwegs- und hautsensibilisierend eingestuft (H334, H317 — maßgeblich ist das Sicherheitsdatenblatt); beim Spritzen ist das Einatmen des Aerosols die führende Gefährdung — die Grenzwerte liegen im Mikrogramm-Bereich (TRIG 10 µg NCO/m³, siehe L-83). Deshalb zusätzlich Schutzhandschuhe gegen Hautkontakt; Tätigkeiten mit Diisocyanaten sind seit dem 24.08.2023 nach REACH Anhang XVII Nr. 74 nur nach vorheriger Schulung zulässig.
Merksatz
Strukturlack = Lackstörung als Effekt. Runzel (Oberfläche trocknet schneller als der Untergrund → Schrumpfspannung) und Riss (magerer Deck- auf fettem Grundlack) gezielt erzeugen; Struktur über Düse, Druck und Viskosität steuern — und beim Spritzen isocyanathaltiger Systeme auf Atemschutz mit Kombinationsfilter und Handschuhe achten.
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
Übungsblatt Ü-133
Prüfen, ob es sitzt.
1. Erklären Sie, wie bei Strukturlacken Runzel- und Rissbildung gezielt erzeugt werden.
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2. Wie lässt sich die Oberflächenstruktur bei der Applikation steuern, und wie wird sie geprüft?
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3. Welche Schutzmaßnahmen sind bei der Spritzapplikation von Strukturlacken wichtig?