Der Lacklaborant Lernwerk

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L-138

Brandschutzbeschichtungen (Dämmschichtbildner)

Intumeszierender passiver Brandschutz für Stahl

Prüfungsteil 1A 9

KernaussageBrandschutzbeschichtungen (Dämmschichtbildner) schäumen im Brandfall auf ein Vielfaches ihrer Dicke auf und bilden einen isolierenden Kohlenstoffschaum. Dieser verzögert die Erwärmung tragender Stahlbauteile und hält deren Tragfähigkeit über eine definierte Zeit aufrecht.

Aufgabe und Wirkprinzip

Die Tragfähigkeit von Stahl nimmt mit steigender Temperatur deutlich ab; die kritische Temperatur ist abhängig von Bauteil, Ausnutzungsgrad und Bemessung und liegt nicht pauschal bei 500 °C. Dämmschichtbildner sind reaktive, intumeszierende Beschichtungen: Bei geeigneten Systemen setzen ab einem charakteristischen Temperaturbereich chemische Reaktionen ein, die zur Schaumbildung führen; Beginn und Verlauf sind systemabhängig. Die Schicht bläht sich um ein Vielfaches auf und bildet einen porösen Kohlenstoffschaum. Dieser wirkt als Wärmedämmung und verzögert den Temperaturanstieg im Stahl — passiver, baulicher Brandschutz.

Chemischer Aufbau

  • Bindemittel — bildet die Matrix.
  • Säurespender (z. B. Ammoniumpolyphosphat) — liefert bei Hitze Polyphosphorsäure.
  • Kohlenstoff-/Gerüstbildner (z. B. Pentaerythrit) — bildet das Kohlenstoffgerüst.
  • Treibmittel/Gasbildner (z. B. Melamin) — bläht die Schicht durch Gasabspaltung auf.
  • Katalysatoren und Additive; alternativ Blähgraphit als reaktiver Bestandteil.

Wirkreaktion: Wie Polyphosphorsäure den Kohlenstoffschaum erzeugt

Das Wirktrio reagiert in drei überlappenden Schritten:
1. Ammoniumpolyphosphat (APP) zersetzt sich ab ca. 250–300 °C: APP → NH₃ + Polyphosphorsäure H(PO₃)n. NH₃ entweicht als Gas (erster Beitrag zur Blähung).
2. Die Polyphosphorsäure dehydratisiert Pentaerythrit: Sie verestert die vier Hydroxylgruppen — Wasser wird abgespalten, ein verzweigtes Phosphat-Kohlenstoff-Netzwerk entsteht (Char-Vorläufer). Das ist der eigentliche Kohlenstoff-Bildner-Schritt: Polyphosphorsäure liefert die Säureaktivierung, Pentaerythrit den Kohlenstoffkörper.
3. Melamin zersetzt sich ab ca. 300 °C: NH₃ und N₂-haltige Gase blähen das entstehende Kohlenstoffgerüst auf ein Vielfaches auf (20–50-faches Volumen). Das Bindemittel hält die Schaumstruktur zusammen, bis der Char verfestigt ist.
Ergebnis: Ein poröser, isolierender Kohlenstoffschaum — ein hoch effektiver Hitzeschild, solange er mechanisch intakt bleibt. Deshalb darf die aufgeschäumte Schicht nicht freigelegt oder mechanisch beschädigt werden.

Systemaufbau und Klassen

Ein zugelassenes System besteht aus Grundierung, dem eigentlichen Dämmschichtbildner und einer optionalen Deckbeschichtung. Zugelassene Systeme werden entsprechend ihrer geprüften Feuerwiderstandsdauer klassifiziert; je nach System und Anwendung sind unterschiedliche Feuerwiderstandsklassen möglich (z. B. R30 bis R120, früher F30–F120 nach DIN 4102-2); geprüft wird nach DIN EN 13381-8, klassifiziert nach DIN EN 13501-2. Die nötige Trockenschichtdicke hängt von der geforderten Feuerwiderstandsdauer, der kritischen Stahltemperatur und dem Profilfaktor (Verhältnis Oberfläche zu Volumen) des Bauteils ab.

Verarbeitung

Dämmschichtbildner dürfen nur mit bauaufsichtlichem Verwendbarkeitsnachweis — allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des DIBt zusammen mit einer allgemeinen Bauartgenehmigung, oder Europäische Technische Bewertung (ETA) plus Bauartgenehmigung — und von geschulten Fachkräften aufgebracht werden. Die Schichtdicke ist exakt einzuhalten und zu dokumentieren (Nass- und Trockenschichtdicke messen). Für den Hochbau gelten Zellulosebrand-Kurven; für Kohlenwasserstoffbrände (z. B. Offshore) kommen epoxidbasierte Systeme zum Einsatz.

Umwelt und Sicherheit

Wasserbasierte bzw. lösemittelarme Systeme bevorzugen. Beim Verarbeiten Stäube (Ammoniumpolyphosphat, Melamin) meiden und absaugen. Die Zulassung und die Herstellervorgaben strikt einhalten — hier hängt die Personensicherheit im Brandfall unmittelbar von der korrekten Ausführung ab.

Merksatz

Dämmschichtbildner = intumeszierend: Ab einem systemabhängigen Temperaturbereich schäumen sie auf → Kohlenstoffschaum dämmt den Stahl. Wirktrio: Säurespender + Kohlenstoffbildner + Treibmittel. R30–R120 (DIN EN 13381-8 / 13501-2); Schichtdicke exakt und dokumentiert.

BrandschutzbeschichtungDämmschichtbildnerIntumeszenzKohlenstoffschaumAmmoniumpolyphosphatPentaerythritMelaminFeuerwiderstandProfilfaktorkritische Stahltemperatur
Quellen
  • DIN EN 13381-8
  • DIN EN 13501-2
  • DIN 4102-2

Übungsblatt Ü-138

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Erklären Sie das Wirkprinzip eines Dämmschichtbildners und nennen Sie die drei reaktiven Bestandteile.

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WirkprinzipBei Hitze schäumt die Schicht um ein Vielfaches auf (Intumeszenz) — ausgelöst von der Zersetzung des Ammoniumpolyphosphats ab etwa 250 bis 300 °C, der genaue Beginn ist systemabhängig — und bildet einen porösen Kohlenstoffschaum, der als Wärmedämmung wirkt und den Stahl vor schneller Erwärmung schützt.
Säurespenderz. B. Ammoniumpolyphosphat — liefert Polyphosphorsäure.
Kohlenstoffbildnerz. B. Pentaerythrit — bildet das Kohlenstoffgerüst.
Treibmittelz. B. Melamin — bläht die Schicht durch Gasabspaltung auf.
Warum das eine Eins verdientDas Aufschäumen zum dämmenden Kohlenstoffschaum und das Wirktrio Säurespender/Kohlenstoffbildner/Treibmittel werden korrekt genannt.
Berechnung8 Punkte

2. Ein Dämmschichtbildner wird 1,5 mm dick aufgetragen und schäumt im Brandfall auf das 40-fache seiner Dicke auf. Wie dick ist die entstehende Dämmschicht?

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AnsatzDämmschichtdicke = Trockenschichtdicke · Aufschäumfaktor
Rechnung= 1,5 mm · 40 = 60 mm
AntwortsatzDie Dämmschicht wird rund 60 mm dick.
HinweisFür diese Ausdehnung muss bei der Planung genügend Platz vorhanden sein.
Warum das eine Eins verdientDer Aufschäumfaktor wird korrekt angewandt und der Platzbedarf praxisgerecht ergänzt.
Anwendung6 Punkte

3. Wovon hängt die erforderliche Trockenschichtdicke einer Brandschutzbeschichtung ab, und warum darf nur geschultes Personal sie auftragen?

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EinflussgrößenVon der geforderten Feuerwiderstandsdauer (R30–R120), der kritischen Stahltemperatur und dem Profilfaktor (Oberfläche/Volumen) des Bauteils.
SchulungDie Schutzwirkung im Brandfall hängt unmittelbar von der exakt eingehaltenen Schichtdicke und dem zugelassenen Systemaufbau ab.
DokumentationNass- und Trockenschichtdicke messen und protokollieren; Zulassung beachten.
Warum das eine Eins verdientDie Einflussgrößen auf die Schichtdicke und die sicherheitskritische Bedeutung der korrekten Ausführung werden erkannt.

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