Alle Tafeln › Kapitel 11 · Druckfarben
L-146
Flexo- und Tiefdruckfarben
Niedrigviskos, schnell verdunstend — Viskositätswerte, Aniloxwalze, Näpfchen und Lösemittelführung
WahlqualifikationB 11
Flexodruck: Verfahren und Farbkennwerte
Verfahrensprinzip: Die Aniloxwalze nimmt Farbe aus dem Farbwerk auf und dosiert sie über ihre Näpfchen. Die flexible Druckplatte (Klischee) überträgt die Farbe auf den Bedruckstoff. Das übertragene Farbvolumen hängt vom Anilox-Volumen (Näpfchengeometrie) ab.
Typische Viskosität Flexo: 50–300 mPa·s bei Raumtemperatur.
Messmethode: Auslaufbecher. Genormt ist heute der ISO-Becher Nr. 4 nach DIN EN ISO 2431 bei (23,0 ± 0,5) °C (für die dickeren Flexofarben der ISO-Becher Nr. 5); in der Druckerei wird daneben noch häufig der DIN-4-Becher der 1996 zurückgezogenen DIN 53211 benutzt. Beide sind trotz 4 mm Düsenweite nicht deckungsgleich: Die Bechergeometrien unterscheiden sich, und Hersteller wie Normen weisen ausdrücklich darauf hin, dass sich die Auslaufzeiten nicht ohne Weiteres ineinander umrechnen lassen. Jeder Viskositätswert ist deshalb nur mit Becher, Norm und Temperatur zusammen brauchbar. Die gerätespezifischen Näherungsgleichungen (DIN 4: ν = 4,57·t − 452/t; ISO-Becher 4: ν = 1,37·t − 200/t) gelten jeweils nur für den eigenen Becher und dienen der Umrechnung Auslaufzeit ↔ kinematische Viskosität — nicht dem Vergleich zweier Becher miteinander. Typische Auslaufzeiten im DIN-4-Becher (20 °C): 17–65 s. Das entspricht bei DIN 4 vereinfacht ca. 50–300 mPa·s (unterhalb von etwa 20 s arbeitet der Becher am Rand seines Gültigkeitsbereichs) — aber: Umrechnung ist nur Richtwert; strukturviskose Systeme erfordern Rotationsviskosimeter.
Typische Schichtdicke Flexo: 1–5 µm (Nassschichtdicke; Trockenfilm je nach flüchtigem Anteil kleiner).
Substrate: Wellpappe, Karton, Folie, Aluminiumverbund, Papier.
Tiefdruck: Verfahren und Farbkennwerte
Verfahrensprinzip: Die gravierten Näpfchen des Tiefdruckzylinders werden mit Farbe gefüllt. Das Rakel streift überschüssige Farbe ab; die in den Näpfchen verbleibende Farbe wird auf den Bedruckstoff übertragen. Der Kontaktdruck erfolgt über ein Andruckwerk.
Typische Viskosität Tiefdruck: 50–150 mPa·s bei Raumtemperatur.
Auslaufbecher DIN 4 (aus der zurückgezogenen DIN 53211, 20 °C): typisch 17–35 s — das entspricht den oben genannten 50–150 mPa·s (zum Unterschied zum ISO-Becher Nr. 4 siehe Flexodruck).
Typische Schichtdicke Tiefdruck: 1–8 µm (abhängig von Näpfchentiefe und -volumen; Tiefdruckzylinder kann für Schichtdicken optimiert graviert werden).
Substrate: Folie (PE, PP, PET), Papier, Aluminium-Verbunde — typisch für Verpackungstiefdruck bei hohen Auflagen.
Verdunstung — Ursache und Wirkung
Zu schnelle Verdunstung: Verlauf, Benetzung und Übertragung können beeinträchtigt werden; eingetrocknete Farbe in Näpfchen oder Düsen möglich.
Zu langsame Verdunstung: Restlösemittel im Farbfilm kann zu Blocken, Geruchs- oder Haftungsproblemen führen.
Viskositätsänderung durch Verdunstung: Mit steigendem Lösemittelverlust steigt die Viskosität — Dosierung und Druckbild verändern sich. Deshalb: Viskosität im Druckbetrieb kontrollieren und nachstellen.
Wasserbasierte Systeme: Wasserabgabe hängt stark von Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Luftführung im Trockner ab.
Lacklaborantenregel
Bei niedrigviskosen Druckfarben niemals nur die Viskosität betrachten. Temperatur, Lösemittel-/Wassergehalt, Druckgeschwindigkeit, Anilox/Rakel-Geometrie und Substrat können gemeinsam das Ergebnis bestimmen. Immer Temperatur bei Viskositätsmessung angeben.
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
- DIN EN ISO 2431
Übungsblatt Ü-146
Prüfen, ob es sitzt.
1. Vergleichen Sie Flexo- und Tiefdruck hinsichtlich Druckform, Farbübertragung, typischer Viskosität und Schichtdicke.
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2. Eine Flexofarbe soll von 200 mPa·s auf 120 mPa·s eingestellt werden. 100 kg Farbe werden mit einem Lösemittel (η ≈ 1,5 mPa·s) verdünnt. Schätzen Sie (vereinfacht linear): wie viel Lösemittel ist nötig? Was ist bei dieser Näherung zu beachten?
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3. Eine PE-Folie soll mit einer wasserbasierten Flexofarbe bedruckt werden. Die Farbe haftet schlecht und perlt ab. Beschreiben Sie Ursache und Maßnahmen.