Der Lacklaborant Lernwerk

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L-26

Isocyanate — Härter für 2K-PUR

Aromatisch oder aliphatisch, und warum aus Monomeren Oligomere werden

Prüfungsteil 1A 8.3 · B 12

KernaussageAromatische Härter sind schnell und günstig, aber vergilben; aliphatische sind wetterfest. Die sensibilisierenden Monomere werden zu Oligomeren umgesetzt.

Die Bausteine: Diisocyanate

Härter für 2K-PUR bauen auf Diisocyanaten auf. Aromatische Typen sind Toluylendiisocyanat (TDI) und Diphenylmethandiisocyanat (MDI); sie tragen die Isocyanatgruppe an einem aromatischen Ring. Aliphatisch ist Hexamethylendiisocyanat (HDI) — eine reine, offenkettige Kohlenstoffkette ohne Ring. Cycloaliphatisch ist Isophorondiisocyanat (IPDI): Es trägt einen gesättigten Ring (vom Isophoron) und besitzt sogar zwei unterschiedlich reaktive NCO-Gruppen — eine ringständige (sekundäre) cycloaliphatische und eine primäre aliphatische an der Seitenkette. Ohne Katalysator reagiert die ringständige Gruppe schneller; mit Zinnkatalysator (DBTL) kehrt sich das um, dann ist die Gruppe an der Seitenkette die schnellere. Angeliefert und verarbeitet werden diese Härter meist in Butylacetat, Xylol oder Methoxypropylacetat (siehe L-25) — entscheidend ist, dass das Lösemittel selbst frei von OH- und NH-Gruppen ist, sonst würde es mit dem NCO reagieren, statt nur zu verdünnen.

Warum Oligomere statt Monomere

Monomere Diisocyanate unterscheiden sich stark in ihrer Flüchtigkeit; ihre Isocyanatgruppen können die Atemwege sensibilisieren. Deshalb setzt man sie zu höhermolekularen Oligomeren um: Diese haben einen sehr geringen Dampfdruck — das senkt vor allem die Flüchtigkeit — und eine höhere Funktionalität, die zugleich die Vernetzungsdichte des Films erhöht. Der freie Monomeranteil wird niedrig gehalten. Seit dem 24. August 2023 dürfen Diisocyanate für industrielle und gewerbliche Anwendungen oberhalb der REACH-Schwelle von 0,1 Gew.-% nur verwendet werden, wenn die vorgeschriebene Schulung zur sicheren Verwendung erfolgreich absolviert wurde; maßgeblich ist die Konzentration der Diisocyanate einzeln und in Kombination — nicht lediglich der freie Monomeranteil eines Polyisocyanats. Ganz ungefährlich sind die Oligomere aber nicht: Ihre freien Isocyanatgruppen wirken weiter haut- und atemwegssensibilisierend, vor allem als Spritznebel (Aerosol) — beim Spritzen bleiben Kabine und Atemschutz Pflicht. Das allgemeine Muster zeigt L-173.

Die wichtigsten Oligomere

  • Isocyanurat (Trimer) — drei Isocyanate zu einem Ring verknüpft; wetter- und chemikalienbeständig.
  • Biuret — aus drei Isocyanaten über eine Harnstoffbrücke; ähnlich beständig.
  • Uretdion (Dimer) — zwei Isocyanate zu einem Ring; abspaltungsfreier Vernetzer, u. a. in Pulverlacken.
  • Allophanat und Addukte mit Triolen (z. B. Trimethylolpropan) — weitere Härtertypen.
  • Noch größer: NCO-terminierte Präpolymere — große Vorstufenmoleküle mit freien Isocyanat-Enden — für feuchtigkeitshärtende 1K-PUR-Systeme, z. B. Zinkstaubgrundierungen (siehe L-101). Zu unterscheiden von Präpolymeren für wässrige Polyurethandispersionen (siehe L-74) — dort läuft die Kettenverlängerung im Wasser ab, nicht über Luftfeuchtigkeit.

Aromatisch, aliphatisch oder cycloaliphatisch

Aromatische Härter (TDI, MDI) sind reaktiv und kostengünstig, neigen aber zur Vergilbung unter Licht — sie werden deshalb bevorzugt für Grundierungen, Füller und Innenanwendungen eingesetzt. Aliphatische und cycloaliphatische Härter (HDI, IPDI) sind wetter- und vergilbungsbeständig und damit die Wahl für hochwertige Decklacke, etwa in der Automobilreparatur. Unter ihnen ergibt das aliphatische HDI eher flexible, das cycloaliphatische IPDI eher harte Filme.

Die Kennzahl: NCO-Gehalt

Härter werden über ihren NCO-Gehalt (Massenanteil freier Isocyanatgruppen) charakterisiert. Er sagt, wie viel reaktive Gruppe je Gramm zur Verfügung steht, und ist die Grundlage für die Berechnung des Mischungsverhältnisses mit dem OH-Bindemittel (siehe L-27). Je höher der NCO-Gehalt, desto weniger Härter wird je Gramm Bindemittel gebraucht.

Reaktionsgleichung: Monomer → Oligomer

Trimerisierung zum Isocyanurat:
  3 O=C=N–R–N=C=O → Isocyanurat-Ring (3 freie NCO)

Biuret-Bildung (über Wasser):
  R–NCO + H₂O → R–NH₂ + CO₂
  R–NH₂ + 2 R–NCO → Biuret (3 freie NCO)

Aus den flüchtigen, sensibilisierenden Diisocyanat-Monomeren werden so dampfdruckarme Härter mit mehreren NCO-Gruppen.

Merksatz

Die Farbe entscheidet die Wahl: aromatisch für Grundierungen (günstig, aber vergilbend), aliphatisch für Decklacke (wetterfest). Monomere werden zu Oligomeren, damit sie weniger flüchtig sind — sensibilisierend (vor allem als Spritznebel) bleiben sie aber.

DiisocyanatTDIMDIHDIIPDIaromatisches Isocyanataliphatisches IsocyanatcycloaliphatischOligomerIsocyanuratBiuretAllophanatNCO-GehaltvergilbungsbeständigHärter
Quellen
  • Müller/Poth, Lackformulierung und Lackrezeptur
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie

Übungsblatt Ü-26

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Warum werden monomere Diisocyanate zu Oligomeren umgesetzt, und was unterscheidet aromatische von aliphatischen Härtern?

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Warum OligomereMonomere Diisocyanate sind flüchtig und wirken atemwegssensibilisierend. Oligomere haben einen sehr geringen Dampfdruck und eine höhere Funktionalität — sie sind sicherer und wirksamer.
AromatischTDI, MDI: reagieren schnell, sind günstig, vergilben aber unter Licht — für Grundierungen, Füller, innen.
AliphatischHDI, IPDI: wetter- und vergilbungsbeständig — für hochwertige Decklacke, z. B. Automobilreparatur.
MerkpunktDie Vergilbungsneigung entscheidet, ob ein Härter für Decklacke taugt.
Warum das eine Eins verdientDer Sicherheitsgrund (Flüchtigkeit, Giftigkeit) für die Oligomerisierung wird genannt, und aromatisch/aliphatisch werden über Vergilbung und Anwendung klar getrennt.
Berechnung9 Punkte

2. Ein HDI-Biuret-Härter hat einen NCO-Gehalt von 22 %. Berechnen Sie die NCO-Äquivalentmasse (Masse Härter je Äquivalent NCO). (M(NCO) = 42,02 g/mol)

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ÜberlegungEine NCO-Gruppe wiegt 42,02 g/mol. Bei 22 % NCO enthalten 100 g Härter 22 g NCO.
Stoffmenge NCO in 100 gn(NCO) = 22 g / 42,02 g/mol = 0,524 mol, also 0,524 Äq. NCO
NCO-ÄquivalentmasseEW = 100 g / 0,524 Äq. = 191 g/Äq.
KurzformelEW = 4 200 / NCO-% = 4 200 / 22 = 191 g/Äq.
AntwortsatzAuf jedes Mol reaktiver NCO-Gruppen kommen rund 191 g Härter.
Warum das eine Eins verdientDie Äquivalentmasse wird sauber über die Stoffmenge hergeleitet und mit der Kurzformel 4200/NCO-% bestätigt. Der Wert ist die Grundlage für das Mischungsverhältnis (siehe L-27).
Anwendung7 Punkte

3. Für die Reparaturlackierung eines roten Autos wird ein glänzender, dauerhaft wetterbeständiger 2K-PUR-Decklack gebraucht. Welchen Härtertyp wählen Sie, und warum nicht den günstigeren aromatischen?

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WahlEinen aliphatischen Härter auf Basis HDI oder IPDI (z. B. als Isocyanurat oder Biuret).
BegründungAliphatische Härter sind vergilbungs- und wetterbeständig — Glanz und Farbton bleiben im Außeneinsatz erhalten.
Warum nicht aromatischAromatische Härter (TDI, MDI) sind zwar günstiger und schneller, vergilben aber unter Licht — für einen Decklack inakzeptabel.
EinordnungDer aromatische Typ wäre für eine darunterliegende Grundierung oder einen Füller geeignet, nicht für den Decklack.
Warum das eine Eins verdientDer aliphatische Härter wird mit der Wetter- und Vergilbungsbeständigkeit begründet und der aromatische bewusst der Grundierung zugeordnet — die geforderte Abwägung nach Anwendung.

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