Alle Tafeln › Kapitel 9 · Anwendungen: Objektlackierung
L-127
Kunststofflack-Systeme
Elastische Lacke für flexible Substrate — 2K-PUR, Soft-Feel, wässrig
WahlqualifikationB 6 · B 2
Elastizität zuerst
Kunststoffbauteile sind oft flexibel; der Lackfilm muss die Verformung mitmachen, ohne zu reißen. Man wählt daher elastische Bindemittel und stellt das Verhältnis von Härte und Elastizität gezielt über die Rezeptur ein — anders als bei den eher starren Metalllacken (siehe L-11). Ein zu spröder Film reißt, ein zu weicher ist nicht beständig genug.
2K-PUR für Kunststoff
2K-PUR-Systeme aus einem hydroxylhaltigen Bindemittel und einem Polyisocyanat-Härter (siehe L-25) sind eine wichtige Option für hochwertige Kunststofflackierungen und können sehr gute Chemikalien-, Kratz- und Wetterbeständigkeit erreichen und lassen sich gut auf Flexibilität einstellen; nachteilig ist die begrenzte Topfzeit. Für einfachere Ansprüche gibt es 1K-Systeme.
Soft-Feel und Effekte
Für eine angenehme Haptik stellt man die Oberfläche matt und samtig ein — die sogenannten Soft-Feel- oder Soft-Touch-Lacke. Der Mechanismus beruht auf zwei Bausteinen: einem weichen, weichsegmentreichen Polyurethan-Bindemittel, das dem Film die gummiartige Nachgiebigkeit gibt, und eingearbeiteten Haptik- bzw. Mattierungspartikeln, die die Oberfläche mikroskopisch aufrauen — klassisch organische Polymethylharnstoff-Typen (z. B. Deuteron MK, Pergopak M) sowie mikronisierte Polyester-Elastomerpartikel. Erst das Zusammenspiel aus weicher Matrix und mikrostrukturierter Oberfläche ergibt die samtige, leicht gummiartige Haptik. Zusätzliche Mattierungsmittel (pyrogene oder gefällte Kieselsäure) senken den Glanzgrad und verstärken den optischen Soft-Touch-Eindruck. Effektlacke auf Kunststoff: Metallic-Effekte (Aluminiumflakes für Stoßfänger und Spiegel), Chromoptik-Simulation durch sehr feines Aluminium, Strukturlacke für Innenraum-Oberflächen sowie Kombinationen wie Soft-Feel + Metallic für Instrumententafel-Elemente. Kunststofflackierung erlaubt so mehr Gestaltungsfreiheit als eingefärbtes Material.
Lösemittelhaltig
Klassisch lösemittelhaltige Kunststofflacke (2K-PUR, 1K) bieten robuste Beständigkeit und einfache Verarbeitung. Ihr Nachteil ist der Gehalt an organischen Lösemitteln (siehe L-168); man stellt sie deshalb zunehmend festkörperreich ein.
Wässrige Kunststofflacke
Aus Umweltgründen setzen sich wässrige Systeme durch — auf Basis von Acrylat- und Polyurethandispersionen (siehe L-71 ff.), als wässrige Primer wie als Decklacke. Sie senken die Emission deutlich, verlangen aber eine sorgfältige Abstimmung von Trocknung, Verlauf und Haftung auf dem Kunststoff.
OEM-Standard heute: Wässriger Primer → wässriger Basislack (PUD + Acrylat-Copolymer) → lösemittelhaltiger 2K-PUR-Klarlack (oder wässriger KL im Einzelfall). Dieses System ist in der automobilen OEM-Fertigung für Kunststoff-Außenteile (Stoßfänger, Spoiler) etabliert. Für Aftermarket/Reparatur werden lösemittelhaltige 2K-PUR-Systeme weiterhin breit eingesetzt.
Merksatz
Auf Kunststoff zählt Elastizität: 2K-PUR für hohe Beständigkeit, Soft-Feel für die Haptik, wässrig für geringe Emission — immer auf einem vorbehandelten, haftvermittelten Untergrund (siehe L-126).
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
- Müller/Poth, Lackformulierung und Lackrezeptur
Übungsblatt Ü-127
Prüfen, ob es sitzt.
1. Warum spielt Elastizität bei Kunststofflacken eine so große Rolle, und welches Lacksystem wählen Sie für hohe Chemikalien- und Kratzbeständigkeit?
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2. Ein 2K-PUR-Kunststofflack wird im Verhältnis Stammlack:Härter = 100:25 (nach Gewicht) angesetzt, dazu 10 % Verdünnung bezogen auf die Mischung. Berechnen Sie Härtermenge, Verdünnung und Gesamtmasse für 2,0 kg Stammlack.
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3. Ein Hersteller von Kunststoffgehäusen möchte die Emission senken, braucht aber eine angenehme, samtige Haptik der Oberfläche. Was empfehlen Sie?