Der Lacklaborant Lernwerk

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L-60

Herstellung von Flüssiglacken im Betrieb

Vom Ansatz über das Dispergieren bis zur Abfüllung

Prüfungsteil 1A 9

KernaussageEin Flüssiglack entsteht in einer festen Reihenfolge: Ansetzen nach Rezept, Dispergieren des Mahlguts, Auflacken (Let-down), Einstellen von Viskosität und Farbton, Filtrieren und Abfüllen — begleitet von laufender Qualitätskontrolle.

Vom Rezept zum Ansatz

Grundlage ist das Fertigungsrezept (siehe L-56). Die Komponenten werden nach Rezept eingewogen bzw. dosiert; Reihenfolge und Mengen sind festgelegt. Ein sauberer, dokumentierter Ansatz ist die Basis für einen reproduzierbaren Lack von Charge zu Charge.

Mahlgutansatz und Dispergieren

Zunächst wird ein Teil des Bindemittels bzw. Lösemittels mit den Pigmenten und Füllstoffen sowie dem Netz- und Dispergiermittel zum Mahlgut (Millbase) angesetzt und im Dissolver vordispergiert. Anschließend wird in Perlmühle, Rührwerksmühle oder Dreiwalzwerk feindispergiert, bis die Zielkörnigkeit erreicht ist — kontrolliert mit dem Grindometer (siehe L-53, L-149). Die richtige Mahlgutkonzentration ist kein fester Prozentwert, sondern systemspezifisch: Ein höherer Feststoffanteil überträgt die Scherkräfte besser und schließt pro Durchgang mehr Pigment auf; ein zu dickes Mahlgut erschwert dagegen Umwälzung, Wärmeabfuhr und Benetzung. Das Optimum wird für Pigment, Bindemittel und Gerät im Versuch ermittelt (siehe L-53).

Erst Zielkörnigkeit, dann auflacken

Die geforderte Feinheit wird im konzentrierten Mahlgut erreicht — dort stimmen Scherwirkung und Energieeintrag. Beim Auflacken ändern sich Feststoffgehalt, Bindemittel- und Lösemittelanteil und damit die Viskosität; ein Nachdispergieren ist danach meist deutlich schwieriger. Deshalb gilt als Laboranten-Grundregel: erst die geforderte Dispergierfeinheit erreichen, dann Let-down.
Der Grindometerwert ist dabei die Produktionsentscheidung — liegt er über dem Sollwert, wird weiterdispergiert statt aufgelackt. Er ist eine schnelle Betriebsprüfung auf grobe Agglomerate und Stippen: kein Maß für die Primärteilchengröße und kein universeller Wert, sondern immer produkt- und systemspezifisch spezifiziert. Reicht die Routineprüfung zur Ursachenklärung nicht aus, folgt die mikroskopische Analytik — REM und TEM zeigen Agglomeratstruktur und Primärteilchen hochauflösend (siehe L-53). Sie sind Werkzeuge für Entwicklung, Rohstoffcharakterisierung und Fehleranalyse, keine Routine-Freigabeprüfung jeder Charge.

Auflacken und Einstellen

Nach dem Dispergieren wird mit dem restlichen Bindemittel, Lösemitteln und Additiven „aufgelackt“ (Let-down/Komplettierung). Danach wird eingestellt: die Viskosität durch Verdünnen, der Festkörpergehalt und der Farbton durch Nuancieren gegen einen Standard. Beim Verdünnen bleibt die Festkörpermasse konstant, nur die Gesamtmasse steigt: Aus Festkörpermasse geteilt durch Zielfestkörper ergibt sich die Ziel-Gesamtmasse, die Differenz zur Ausgangsmasse ist die Lösemittelzugabe. Wann ein Additiv zugegeben wird, richtet sich nach seiner Funktion und nicht nach einer pauschalen Regel: Netz- und Dispergiermittel müssen bereits im Mahlgut wirken; Entschäumer und Rheologieadditive werden je nach System anteilig auf Mahlgut und Let-down verteilt; verlaufs-, licht- und oberflächenaktive Additive würden die Mahlung stören oder in ihr geschädigt werden und kommen deshalb erst beim Auflacken hinzu.

Filtrieren, Abfüllen und Freigabe

  • Filtrieren — Grobteile, Stippen und Verunreinigungen entfernen.
  • Produktionsbegleitende Prüfung — Körnigkeit, Viskosität, Farbton/Deckvermögen, Dichte und Festkörper, bei Wasserlacken auch pH und Leitfähigkeit.
  • Freigabe nach Spezifikation, dann Abfüllen und Kennzeichnen (Charge, Sicherheitsdatenblatt).
  • Rückstellmuster ziehen — für spätere Reklamations- und Schadensklärung.

Umwelt und Sicherheit

Lösemitteldämpfe absaugen; in explosionsgefährdeten Bereichen Ex-Schutz, Erdung und Zündquellenverbot beachten. Pigment- und Füllstoffstäube beim Einwiegen meiden (Absaugung). Reinigungslösemittel möglichst im Kreislauf führen; nicht wiederverwendbare Reste entsprechend ihrer Einstufung und den betrieblichen bzw. rechtlichen Vorgaben entsorgen. Geschlossene Systeme senken Emissionen und Gefährdung.

Filtertypen beim Klarfiltrieren

  • Tiefenfilter (Filterbeutel, Filterschichten) — die Partikel bleiben im Inneren des Filtermaterials hängen; hohe Schmutzaufnahme, typisch für die Vorfiltration — z. B. nach der Dispergierung pigmentierter Lacke.
  • Oberflächenfilter (Siebe, Membranen) — halten Teilchen ab einer definierten Größe an der Oberfläche zurück — z. B. Endfiltration von Klarlacken und Tinten mit definierter Reinheitsanforderung.
  • Anschwemmfilter — eine Hilfsschicht (z. B. Kieselgur) wird aufgeschwemmt und hält feinste Trübstoffe zurück; für hohe Klarheit — z. B. bei lösemittelhaltigen Lacken und Druckfarben mit sehr hoher Transparenzanforderung.

Schonend filtrieren

Filtriert wird mit möglichst geringem Druck: Zu hoher Druck presst Partikel durch den Filter oder reißt bereits abgeschiedene wieder mit. Der Filter muss zum Produkt passen — eine zu feine Trenngrenze setzt sich zu, eine zu grobe lässt Stippen durch.

Merksatz

Reihenfolge: Ansetzen → Mahlgut dispergieren (Grindometer) → Auflacken (Let-down) → Einstellen (Viskosität/Festkörper/Farbton) → Filtrieren → prüfen/freigeben → Abfüllen. Rückstellmuster nicht vergessen; Ex-Schutz und Absaugung beachten.

LackherstellungMahlgutMillbaseDissolverPerlmühleAuflackenLet-downEinstellenNuancierenFiltrierenAbfüllenRückstellmusterGrindometerDispergierfeinheit
Quellen
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie

Übungsblatt Ü-60

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis10 Punkte

1. Beschreiben Sie die Herstellung eines Flüssiglacks im Betrieb in der richtigen Reihenfolge und erklären Sie, warum das Dispergieren vor dem Auflacken erfolgt.

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AnsetzenKomponenten nach Fertigungsrezept einwiegen/dosieren.
DispergierenMahlgut (Pigmente, Füllstoffe, Teil des Bindemittels/Lösemittels, Netz- und Dispergiermittel) im Dissolver vordispergieren, dann in der Mühle bis zur Zielkörnigkeit feindispergieren (Grindometer).
Auflacken und EinstellenMit Restbindemittel, Lösemitteln und Additiven auflacken (Let-down), dann Viskosität, Festkörper und Farbton einstellen.
Filtrieren, prüfen, abfüllenFiltrieren, produktionsbegleitend prüfen und nach Freigabe abfüllen; Rückstellmuster ziehen.
Warum in dieser ReihenfolgeDie Zielkörnigkeit wird im konzentrierten Mahlgut erreicht, weil dort Scherwirkung und Energieeintrag stimmen. Beim Auflacken ändern sich Feststoffgehalt und Viskosität — ein Nachdispergieren ist danach meist deutlich schwieriger.
Warum das eine Eins verdientDie Reihenfolge Ansetzen → Dispergieren → Auflacken/Einstellen → Filtrieren/Abfüllen ist vollständig und korrekt. Für die volle Punktzahl wird die Reihenfolge nicht nur genannt, sondern über die Bedingungen im Mahlgut begründet.
Berechnung8 Punkte

2. Ein Ansatz von 200 kg hat einen Festkörpergehalt von 60 %. Er soll durch Zugabe von Lösemittel auf 50 % Festkörper eingestellt werden. Wie viel Lösemittel müssen Sie zugeben?

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Festkörpermasse200 kg · 60 % = 120 kg (bleibt konstant)
Ziel-Gesamtmasse120 kg / 50 % = 240 kg
Lösemittelzugabe240 kg − 200 kg = 40 kg
AntwortsatzEs sind 40 kg Lösemittel zuzugeben, um von 60 % auf 50 % Festkörper zu kommen.
Warum das eine Eins verdientDie konstante Festkörpermasse wird als Ansatz erkannt und die Verdünnung korrekt darüber berechnet.
Anwendung10 Punkte

3. Bei der produktionsbegleitenden Prüfung zeigt das Grindometer nach dem Dispergieren noch zu grobe Körnung. Was tun Sie, bevor Sie auflacken? Welche Ursachen prüfen Sie — und welche Rolle können REM und TEM bei einer weitergehenden Untersuchung spielen?

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Nicht auflackenErst weiterdispergieren — nach dem Auflacken sinken Feststoffanteil und Viskosität und damit der Scherenergieeintrag; ein Nachdispergieren ist dann deutlich schwieriger und oft unwirtschaftlich.
Ursache prüfenMahldauer und Mahlbedingungen, Mahlkörper und Mühleneinstellung, Mahlgutviskosität und Feststoffanteil sowie Netz- und Dispergiermittel kontrollieren.
KontrolleErneut Grindometer messen; erst bei erreichter Zielkörnigkeit auflacken und einstellen.
Wann REM und TEMBleibt die Ursache unklar, folgt die mikroskopische Analytik: REM bildet Oberfläche und Agglomeratstruktur ab, TEM löst Aggregate und einzelne Primärteilchen auf (siehe L-53). Beide sind Spezialmethoden für Entwicklung und Fehleranalyse — keine Routineprüfung jeder Charge.
Warum das eine Eins verdientEs wird erkannt, dass die Feinung im Mahlgut abgeschlossen sein muss, bevor aufgelackt wird, und die Ursachen werden sinnvoll eingegrenzt. Für die volle Punktzahl wird die mikroskopische Analytik als Eskalationsstufe eingeordnet und nicht als Routineprüfung dargestellt.

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