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L-68
Applikation III — Sicherheit, Wirkungsgrad und Qualität
Sicheres Verarbeiten, Auftragswirkungsgrad und Beurteilung der Beschichtung
Prüfungsteil 1A 8.2 · A 8.4
Sicherheitsregeln beim Verarbeiten
- Lösemitteldämpfe sind gesundheitsschädlich und bilden mit Luft explosionsfähige Gemische — für ausreichende Absaugung und Belüftung sorgen und die untere Explosionsgrenze nicht erreichen (siehe L-170).
- Zündquellen fernhalten; beim elektrostatischen Spritzen und beim Umfüllen erden, um Funken durch statische Aufladung zu vermeiden.
- Persönliche Schutzausrüstung tragen: Atemschutz, Handschuhe, Schutzbrille. Sicherheitsdatenblatt und Gefahrensymbole beachten.
- Spritznebel und Lackschlämme fachgerecht als Gefahrstoff entsorgen.
Auftragswirkungsgrad
Der Auftragswirkungsgrad ist der Anteil des eingesetzten Lacks, der tatsächlich als Film auf dem Werkstück landet. Er geht direkt in den Materialbedarf ein: Bei 60 % Wirkungsgrad muss rund das 1,7-Fache der theoretisch nötigen Menge bereitgestellt werden. Ein hoher Wirkungsgrad spart Material und senkt zugleich Emission und Abfall — er ist damit zugleich Umweltschutz (siehe L-168).
Ergiebigkeit und Materialbedarf
Ergiebigkeit A = 10 · VFK / TSD [m²/l] Materialbedarf V = Fläche / A / (Wirkungsgrad/100) [l] VFK Volumenfestkörper in %, TSD Trockenschichtdicke in µm
Genormte Beurteilung
Zur objektiven Beurteilung dienen genormte Prüfungen statt bloßer Sichtkontrolle. Die Trockenschichtdicke misst man zerstörungsfrei magnetinduktiv oder per Wirbelstrom nach DIN EN ISO 2808 — sie bestimmt Schutzwirkung und Materialbedarf. Die Haftung prüft der Gitterschnitt nach DIN EN ISO 2409: Ein Gittermuster wird bis zum Untergrund eingeschnitten und in Kennwerte von 0 (kein Ausbruch, beste Haftung) bis 5 (großflächiges Abplatzen) eingestuft. Der Glanz wird per Reflektometer eingeordnet (siehe L-80); weitere genormte Prüfungen betreffen Härte, Elastizität und Schlagfestigkeit. Wichtig bleibt der Untergrundbezug: Auf rauem oder saugendem Untergrund bindet mehr Material und die Schicht wirkt matter, Fett- oder Trennmittelreste erzeugen Krater (siehe L-12) — deshalb gehört zu jedem Prüfwert die Angabe von Untergrund und Verfahren.
Typische Oberflächenstörungen
- Läufer und Gardinen — zu dick aufgetragen oder zu niedrige Viskosität.
- Orangenhaut — zu grobe Zerstäubung oder zu früher Verlaufstillstand.
- Krater — Benetzungsstörung durch Verunreinigung oder Silicon.
- Trockenspritzer (Overspray-Anflug) — zu großer Spritzabstand, der Lack trocknet in der Luft an.
- Kocher und Nadelstiche — eingeschlossenes Lösemittel oder Luft entweicht beim Trocknen.
Merksatz
Beurteilen heißt dokumentieren: Verfahren, Einstellung, Untergrund, Schichtdicke und Fehlerbild gehören zusammen erfasst. Erst dieser Zusammenhang macht ein Ergebnis wiederholbar — und einen Fehler abstellbar.
- Müller/Poth, Lackformulierung und Lackrezeptur
- DIN EN ISO 2409
- DIN EN ISO 2808
Übungsblatt Ü-68
Prüfen, ob es sitzt.
1. Nennen Sie vier Sicherheitsregeln beim Verarbeiten lösemittelhaltiger Beschichtungsstoffe und begründen Sie jeweils kurz.
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2. Ein Objekt von 320 m² soll mit 40 µm Trockenschichtdicke beschichtet werden. Der Lack hat 50 % Volumenfestkörper, der Auftragswirkungsgrad beträgt 55 %. Berechnen Sie Ergiebigkeit sowie theoretischen und tatsächlichen Materialbedarf.
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3. Auf einem entfetteten, leicht angeschliffenen Stahlblech zeigt eine gespritzte Grundierung stellenweise Krater, an anderer Stelle Läufer. Ordnen Sie beide Fehler ihren Ursachen zu und nennen Sie je eine Gegenmaßnahme.