Der Lacklaborant Lernwerk

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L-69

Trocknungsverfahren und -anlagen

Ablüften, Umluft- und Strahlungstrockner, Objekttemperatur und Trockengrad

Prüfungsteil 1A 8.3 · A 8.2

KernaussageNach dem Applizieren wird der Nassfilm getrocknet oder eingebrannt. Vorher muss er ablüften; für das Einbrennen zählt nicht die Ofenlufttemperatur, sondern die Objekttemperatur über der Zeit. Getrocknet wird durch Konvektion (Umluft) oder Strahlung (IR/NIR), und der Fortschritt wird in Trockengradstufen beschrieben.

Ablüften vor dem Trocknen

Zwischen Applikation und Trocknung steht das Ablüften: Der frisch aufgetragene Nassfilm bleibt bei Raumtemperatur oder nur leicht erhöhter Temperatur eine definierte Zeit stehen, bevor er eingebrannt oder forciert getrocknet wird. In dieser Ablüftzone entweicht der größte Teil der leichtflüchtigen Löse- beziehungsweise Dispersionsmittel kontrolliert über die Oberfläche. Heizt man zu früh und zu schnell auf, verschließt sich die Filmoberfläche, während im Inneren noch Lösemittel oder Wasser sitzt — beim Durchbrechen entstehen Kocher, Nadelstiche und Blasen (siehe L-68). Bei Wasserlacken ist das Ablüften besonders wichtig, weil Wasser langsam verdunstet und eine hohe Verdunstungswärme besitzt; hier hilft bewegte, temperierte Luft in einer eigenen Zwischenzone.

Trocknungsanlagen: Konvektion und Strahlung

Getrocknet wird auf zwei physikalischen Wegen. Bei der Konvektionstrocknung umströmt erwärmte Luft das Werkstück und überträgt die Wärme über die Oberfläche; der Umlufttrockner ist der Standard der Serienlackierung — gleichmäßig und für beliebige, auch verdeckte Geometrien geeignet, aber träge und energieintensiv, weil erst Ofen und Luft aufgeheizt werden. Bei der Strahlungstrocknung heizen Infrarotstrahler den Film berührungslos und sehr schnell direkt auf; kurzwellige NIR-Strahlung dringt tiefer ein und wirkt rascher, mittel- und langwellige eher oberflächennah. Grenzen der Strahlung sind Abschattung und komplexe Geometrie — nur die bestrahlten Flächen werden warm, Kanten können überhitzen; deshalb kombiniert man oft IR-Vorwärmung mit anschließender Umluft. Die forcierte Trocknung beschleunigt physikalisch oder oxidativ trocknende sowie niedrig einbrennende Lacke bei mäßiger Temperatur (etwa 40 bis 80 °C), ohne echtes Hochtemperatur-Einbrennen — typisch in der Autoreparaturlackierung (siehe L-116). Die Strahlungshärtung mit UV oder Elektronenstrahl trocknet dagegen in Sekunden und ist keine thermische Trocknung (siehe L-24).

Objekttemperatur statt Ofentemperatur

Für die Vernetzung von Einbrennlacken zählt nicht die eingestellte Ofenlufttemperatur, sondern die Temperatur, die das Werkstück selbst erreicht — die Objekttemperatur — und die Zeit, die sie gehalten wird. Die Einbrennbedingung wird deshalb als Objekttemperatur und Haltezeit angegeben, zum Beispiel 20 Minuten bei 160 °C Objekttemperatur. Dünnwandige Teile erreichen diese Temperatur rasch, massige oder dickwandige langsam; sie brauchen eine längere Ofenzeit, um dieselbe Objekttemperatur und Haltezeit zu erreichen. Gemessen wird mit mitlaufenden Temperaturfühlern und Datenloggern — der sogenannten Ofenreise (Temperaturprofil). Der Durchlauf gliedert sich in Aufheizphase (das Objekt erreicht die Solltemperatur), Halte- oder Vernetzungsphase (die Objekttemperatur wird die geforderte Zeit gehalten) und Abkühlphase.

Ofenzeit — Aufheizen plus Halten

t(Ofen) = t(Aufheiz) + t(Halte)

Beispiel (Objekttemperatur 160 °C):
  geforderte Haltezeit t(Halte)   = 20 min
  Aufheizzeit t(Aufheiz)          =  8 min
  t(Ofen) = 8 min + 20 min        = 28 min

t(Ofen)     Mindest-Verweilzeit im Ofen
t(Aufheiz)  Zeit bis zur Objekt-Solltemperatur
t(Halte)    geforderte Haltezeit bei Objekttemperatur

Trockengradstufen

Der Trocknungsfortschritt wird in Stufen beschrieben:

  • staubtrocken — aufgewirbelter Staub bleibt nicht mehr haften; die Oberfläche klebt aber noch und darf nicht berührt werden.
  • klebfrei (oberflächentrocken) — die Oberfläche klebt nicht mehr.
  • grifffest (handhabungsfest) — das Teil lässt sich anfassen, wenden und stapeln, ohne Abdrücke.
  • durchgetrocknet — auch in der Tiefe fest; erst dann volle mechanische und chemische Beständigkeit.

Die Prüfung dieser Stufen ist in der Normenreihe DIN EN ISO 9117 geregelt (unter anderem ein Oberflächentrockentest mit Glasperlen, Ballotini, und ein mechanischer Recorder-Test). Einzelheiten in L-153.

Merksatz

Erst ablüften, dann trocknen. Für das Einbrennen zählen Objekttemperatur und Haltezeit, nicht die Ofenlufttemperatur — Ofenzeit = Aufheizen + Halten. Umluft trocknet gleichmäßig, IR/NIR schnell, aber sichtliniengebunden. Der Fortschritt läuft von staubtrocken über grifffest bis durchgetrocknet.

AblüftenAblüftzoneUmlufttrocknerKonvektionstrocknungInfrarotNIR-StrahlungStrahlungstrocknungforcierte TrocknungObjekttemperaturHaltezeitOfenreiseTrockengradstaubtrockengrifffestdurchgetrocknetDIN EN ISO 9117
Quellen
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
  • DIN EN ISO 9117

Übungsblatt Ü-69

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Erklären Sie den Zweck des Ablüftens vor dem Einbrennen und beschreiben Sie, welcher Lackfehler bei zu schnellem Aufheizen entsteht.

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Zweck des AblüftensDer frisch aufgetragene Nassfilm gibt in der Ablüftzone bei Raumtemperatur oder nur leicht erhöhter Temperatur den größten Teil der leichtflüchtigen Löse- beziehungsweise Dispersionsmittel kontrolliert über die Oberfläche ab, bevor er eingebrannt wird.
Fehler bei zu schnellem AufheizenVerschließt sich die Filmoberfläche durch zu frühes, zu schnelles Aufheizen, während innen noch Lösemittel oder Wasser sitzt, so bricht dieses beim Trocknen durch die Haut — es entstehen Kocher, Nadelstiche und Blasen.
Besonderheit WasserlackBei Wasserlacken ist das Ablüften besonders wichtig, weil Wasser langsam verdunstet und eine hohe Verdunstungswärme besitzt; oft wird eine eigene temperierte Zwischenzone mit bewegter Luft eingesetzt.
Warum das eine Eins verdientDie Antwort verknüpft den Zweck (kontrollierte Lösemittelabgabe) mit der Folge des Weglassens (Kocher/Nadelstiche) und erkennt die Sonderrolle des Wasserlacks. Genau dieser Ursache-Wirkung-Zusammenhang wird erwartet.
Berechnung8 Punkte

2. Ein Einbrennlack fordert 20 Minuten bei 160 °C Objekttemperatur. Ein massives Werkstück erreicht diese Objekttemperatur erst nach 8 Minuten Aufheizzeit. Bestimmen Sie die Mindest-Verweilzeit im Ofen und begründen Sie, warum die Ofenlufttemperatur allein nicht ausreicht.

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GegebenHaltezeit t(Halte) = 20 min bei 160 °C Objekttemperatur; Aufheizzeit t(Aufheiz) = 8 min.
Ansatzt(Ofen) = t(Aufheiz) + t(Halte)
Rechnungt(Ofen) = 8 min + 20 min = 28 min
BegründungDie Vernetzung läuft erst ab, wenn das Objekt selbst 160 °C erreicht hat. Die Ofenluft kann längst 160 °C haben, während das massige Teil noch kälter ist; maßgeblich sind Objekttemperatur und Haltezeit, nicht die Lufttemperatur.
AntwortsatzDas Teil muss mindestens 28 Minuten im Ofen bleiben.
Warum das eine Eins verdientDie Antwort trennt Aufheiz- und Haltezeit sauber und erklärt, warum die Objekttemperatur die maßgebliche Größe ist — der Punkt, der in der Praxis über die vollständige Aushärtung entscheidet.
Anwendung8 Punkte

3. Vergleichen Sie Umluft- und Infrarottrocknung hinsichtlich Wärmeübertragung, Geschwindigkeit und Grenzen und nennen Sie je einen typischen Einsatzfall.

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Umluft (Konvektion)Erwärmte Luft überträgt die Wärme über die Oberfläche des Teils. Gleichmäßig und für beliebige, auch verdeckte Geometrien geeignet, aber träge und energieintensiv, weil Ofen und Luft mit aufgeheizt werden. Einsatz: Standard der Serien-Einbrennlackierung.
Infrarot/NIR (Strahlung)Infrarotstrahler heizen den Film berührungslos und sehr schnell direkt auf; NIR dringt tiefer ein. Grenzen: nur bestrahlte Flächen werden warm (Abschattung, komplexe Geometrie), Kanten können überhitzen. Einsatz: schnelle Vorwärmung oder Trocknung flächiger Teile.
KombinationIn der Praxis werden IR-Vorwärmung und Umluft häufig kombiniert, um Geschwindigkeit und Gleichmäßigkeit zu verbinden.
Warum das eine Eins verdientBeide Verfahren werden über den Wärmeübertragungsweg (Konvektion gegen Strahlung) unterschieden, ihre Grenzen benannt und mit einem Einsatzfall belegt. Der Hinweis auf die Kombination zeigt Praxisverständnis.

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