Der Lacklaborant Lernwerk

Alle Tafeln › Kapitel 9 · Anwendungen: Objektlackierung

L-105

Chlorkautschuk-Beschichtungen

Wasser- und chemikalienfest für Becken, Beton und Korrosionsschutz

Prüfungsteil 1A 9

KernaussageChlorkautschuk ist ein physikalisch trocknendes Bindemittel mit guter Wasser- und Chemikalienbeständigkeit für Schwimmbecken, Beton- und Korrosionsschutz; seine Eignung und Verbreitung hängen von Anwendung, Formulierung und regulatorischen Anforderungen ab.

Was Chlorkautschuk ist

Chlorkautschuk wird durch Chlorierung von Naturkautschuk bzw. geeigneten Polyisoprenen hergestellt. Die Chloratome geben dem Bindemittel eine gewisse Polarität und die hohe Beständigkeit. Er trocknet rein physikalisch durch Verdunsten des Lösemittels und bleibt damit in Lösemitteln wieder anlösbar, ist also lösemittelempfindlich.

Eigenschaften

Chlorkautschukfilme können eine gute Wasser- und Chemikalienbeständigkeit sowie gute Haftung auf geeigneten mineralischen Untergründen wie Beton aufweisen; die Beständigkeit ist system- und formulierungsspezifisch. Sie sind seidenglänzend, aber nicht hitzebeständig.

Anwendung

Chlorkautschuk ist nach wie vor im Einsatz, aber stark rückläufig. Noch aktive Einsatzgebiete: Stahlbrücken und Industrieanlagen (Korrosionsschutz nach ISO 12944, Kategorien C4 und C5; die ältere Unterteilung C5-I für Industrie- und C5-M für Meeresatmosphäre findet sich in Bestandsdokumenten noch häufig), Schwimmbecken (Beständigkeit gegen Chlor und Hypochlorit), Betonböden in Industrie und Parkhäusern — zunehmend verdrängt durch wässrige 2K-Epoxidsysteme (siehe L-108). Auch Hafenbauwerke und maritime Stahlkonstruktionen im Spritzwasser- und Tidebereich nutzen noch Chlorkautschuk-Deckbeschichtungen. Fahrbahnmarkierungen sind heute überwiegend auf Acrylat- oder Polyurethanbasis umgestellt. Regulatorisch einschränkend wirkt bei diesen Anwendungen vor allem das Anlagenrecht (31. BImSchV, TA Luft); die Decopaint-Richtlinie und die ChemVOCFarbV greifen nur für Bautenbeschichtungen und die Fahrzeugreparaturlackierung, dort mit produktkategoriespezifischen Grenzwerten (siehe L-168, L-176).

Lösemittel

Weil Chlorkautschuk durch die Chloratome polar ist, passen Lösemittel ähnlicher Polarität: aromatische Kohlenwasserstoffe (z. B. Xylol), Ketone und Ester. Aliphatische Kohlenwasserstoffe dienen als Verschnittmittel.

Arbeitssicherheit und Umwelt

Wärme und UV-Licht spalten HCl ab (Dehydrochlorierung, Kettenreaktion). Die praktische Dauergebrauchsgrenze liegt bei etwa 70–80 °C; die eigentliche thermische Abspaltung wird erst deutlich darüber relevant — system- und formulierungsabhängig. Als HCl-Fänger dienen niedermolekulare Epoxidverbindungen und epoxidierte Öle (z. B. epoxidiertes Sojaöl, ESBO): der Oxiranring öffnet sich mit HCl zum Chlorhydrin und bricht so die Kettenreaktion. Zinkoxid als Fänger ist zu meiden — ZnCl₂ als Reaktionsprodukt katalysiert die Abspaltung (Zinkschaden, siehe L-22). Der Lösemittelgehalt ist hoch (typisch 500–600 g VOC/L) und liegt als Bautenbeschichtung über den Grenzwerten der ChemVOCFarbV (Regelwerke siehe Abschnitt Anwendung). Absaugung und PSA obligatorisch. Hinzu kommt, dass chlororganische Bindemittel aus Umwelt- und Entsorgungsgründen (HCl-Abspaltung, Verbrennungsrückstände) zunehmend gemieden werden.

Merksatz

Chlorkautschuk: physikalisch trocknend, sehr wasser- und chemikalienbeständig, gut auf Beton — aber lösemittelreich und daher rückläufig. Lösemittel nach Polarität (Aromaten, Ketone, Ester).

Chlorkautschukphysikalische TrocknungSchwimmbeckenBetonschutzKorrosionsschutzWasserbeständigkeitLösemittelVOCFahrbahnmarkierung
Quellen
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
  • ISO 12944

Übungsblatt Ü-105

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Beschreiben Sie Trocknung und Eigenschaften von Chlorkautschuk und nennen Sie zwei typische Anwendungen.

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TrocknungPhysikalisch durch Verdunsten des Lösemittels; der Film bleibt in Lösemitteln wieder anlösbar.
EigenschaftenSehr wasser- und chemikalienbeständig, gute Haftung auf mineralischen Untergründen, nicht hitzebeständig.
AnwendungenZwei aus: Schwimmbecken, Betonschutz, Korrosionsschutz an Stahlbrücken und Industrieanlagen, maritime Stahlbauten. Nicht mehr zutreffend ist die Fahrbahnmarkierung — dort wird heute überwiegend Acrylat- oder Polyurethanbasis eingesetzt.
Warum das eine Eins verdientPhysikalische Trocknung, Beständigkeit und zwei Anwendungen werden korrekt genannt.
Berechnung8 Punkte

2. Ein Chlorkautschuklack hat 60 % Festkörper und soll für den Auftrag auf 50 % verdünnt werden. Wie viel Verdünner ist je 100 kg Lack nötig?

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Festkörper100 kg · 0,60 = 60 kg (bleibt konstant)
Gesamtmassem = 60 kg / 0,50 = 120 kg
Verdünner120 kg − 100 kg = 20 kg
Warum das eine Eins verdientDer konstante Festkörper wird korrekt als Bezug genommen und die Verdünnermenge sauber bestimmt.
Anwendung6 Punkte

3. Warum werden Chlorkautschuksysteme zunehmend ersetzt?

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UmweltSie sind lösemittelreich und verursachen hohe VOC-Emissionen.
ChlorChlororganische Bindemittel werden aus Umwelt- und Entsorgungsgründen (HCl-Abspaltung, Verbrennungsrückstände) zunehmend gemieden.
ErsatzWässrige oder 2K-Systeme übernehmen die Anwendungen emissionsärmer.
Warum das eine Eins verdientDie Antwort nennt VOC/Lösemittel und die chlorierte Chemie als Gründe für den Ersatz.

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