Alle Tafeln › Kapitel 9 · Anwendungen: Objektlackierung
L-125
Parkettlack (Fußbodenversiegelung)
2K-PUR-Versiegelung für Holzböden — hart, abriebfest, rutschsicher
Prüfungsteil 1A 9
Aufgabe
Durch die Versiegelung werden die Zwischenräume gefüllt, die Holzporen geschlossen und das Holz gegen Abrieb, Schmutz und Feuchtigkeit geschützt. Früher wurden dafür physikalisch trocknende (Cellulosenitrat), oxidativ vernetzende Alkyd- und säurehärtende Systeme verwendet; wegen höherer Qualitätsanforderungen und aus Umweltgründen dominieren heute Polyurethane und wasserverdünnbare Versiegelungen.
Bindemittel
Typisch ist ein 2K-System aus einem OH-funktionellen Polymer und einem Polyisocyanat-Härter. Polyester, Polyether und Polyacrylate können als OH-funktionelle Bindemittel eingesetzt werden; das Eigenschaftsprofil hängt vom konkreten Polymer und der Formulierung ab.
Härter, Feuchtigkeit, Mischung
Bei lösemittelhaltigen oder lösemittelfreien 2K-PUR-Parkettlacken reagiert der klassische Isocyanat-Härter stark mit Wasser (CO₂-Bildung → Blasen und Nebenreaktionen). Deshalb müssen Rohstoffe, Geräte und Umgebung möglichst trocken sein: Wassergehalt vorher prüfen, trockene Gebinde verwenden und den Behälter mit Schutzgas (z. B. Stickstoff) fluten; Restfeuchte lässt sich mit Trockenmitteln (z. B. Molekularsieb) binden. Wasserverdünnbare 2K-PUR-Parkettlacke verwenden dagegen hydrophil eingestellte oder bereits dispergierte Isocyanate, die auf den Kontakt mit Wasser ausgelegt sind (siehe L-124) — die genannten Trockenheits- und Schutzgasmaßnahmen sind dort nicht in gleicher Weise nötig, auch wenn die Nebenreaktion Isocyanat/Wasser grundsätzlich bestehen bleibt. Die Härtermenge richtet sich nach der OH-Zahl des Bindemittels — der Masse KOH in Milligramm, die den in 1 g Festharz gebundenen OH-Gruppen äquivalent ist.
Anforderungen und Gleitwiderstand
Ein Parkettlack braucht hohe Härte, hohe Abriebfestigkeit, gute Haftung, gutes Verhalten bei Druckbelastung (Verblockung) und Beständigkeit gegen Haushaltschemikalien. Für Fußböden ist der Gleitwiderstand wichtig: Er soll rutschsicher sein und lässt sich über den Reibungskoeffizienten bestimmen (Neigung einer Ebene, bis ein Gewicht mit definierter Fläche rutscht).
Umwelt und Sicherheit
Isocyanat-Härter können die Atemwege sensibilisieren — Spritznebel und Hautkontakt meiden, geeignete Schutzausrüstung tragen. Beim Schleifen des Holzes entsteht feiner Staub, der Allergien oder Asthma auslösen kann; direkt an der Maschine absaugen und Staubmaske tragen. Lösemittelarme oder wasserverdünnbare Systeme sind zu bevorzugen.
Merksatz
Parkettlack = Versiegelung des Holzbodens. Meist 2K-PUR (OH-Polymer + Polyisocyanat), Härtermenge über die OH-Zahl, Rohstoffe trocken halten (Isocyanat + Wasser = Blasen), rutschsicher einstellen — und Isocyanat- sowie Schleifstaub-Schutz beachten.
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
Übungsblatt Ü-125
Prüfen, ob es sitzt.
1. Welches Bindemittelsystem ist für einen modernen Parkettlack typisch, und warum müssen bei lösemittelhaltigen 2K-PUR-Systemen die Rohstoffe trocken sein?
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2. Stammlack und Härter werden im Verhältnis 2 : 1 gemischt. Wie viel Härter braucht man für 900 g Stammlack?
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3. Was ist der Gleitwiderstand einer Fußbodenlackierung, und welche Gesundheitsgefahr besteht beim Schleifen des Holzes?