Der Lacklaborant Lernwerk

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L-140

Aufbau einer Druckfarbe

Farbmittel, Bindemittel, Träger und Additive — und ihr Zusammenspiel

WahlqualifikationB 11

KernaussageNicht der einzelne Rohstoff entscheidet über die Druckqualität, sondern das Zusammenspiel aus Rezeptur, Herstellung, Druckverfahren, Bedruckstoff und Trocknung/Härtung.

Abgrenzung zu Lacken

Druckfarben sind chemisch mit Lacken verwandt, erfüllen aber eine zusätzliche Aufgabe: Sie müssen im Druckprozess kontrolliert dosiert, übertragen und auf dem Bedruckstoff zu einem funktionierenden Druckbild verfestigt werden. Im Gegensatz zu Lacken, die meist deckend oder schutzgebend aufgetragen werden, sind Druckfarben oft transparenter und werden in extrem dünnen Schichten verarbeitet.

Die vier Komponentengruppen

Vereinfacht: Druckfarbe = Farbmittel + Bindemittelsystem/Vehicle + Träger (flüchtige oder reaktive Bestandteile) + Additive. Nicht jedes System enthält alle Gruppen in gleicher Form.

Farbmittel | Aufgabe: Farbe, Transparenz, Deckvermögen | Typische Beispiele: Pigmente (organisch, anorganisch); bei bestimmten Inkjet-Systemen auch Farbstoffe
Bindemittel/Vehicle | Pigment benetzen, transportieren und nach der Verfestigung im Film binden | Harze, Öle/Firnisse, Polymerbindemittel
Wasser/Lösemittel/Reaktivverdünner | Verarbeitung und Einstellung des Fließverhaltens | Wasser, Alkohole, Ester, Glycolether, Acrylat-Monomere — systemabhängig
Additive | Gezielte Verbesserung einzelner Eigenschaften | Dispergiermittel, Entschäumer, Wachse, Netzmittel, Sikkative (nur bei ox. Trocknung)

Typische Schichtdicken je Verfahren

Die geringe Schichtdicke der Druckfarben hat direkte Auswirkungen auf Pigmentierung, Farbstärke und Trocknungsgeschwindigkeit.

Offset | Nassschichtdicke im Druck: 1–3 µm | Trockenfilm nahezu gleich (bei Coldset und Bogenoffset; Heatset verliert flüchtige Mineralölanteile)
Flexo | 1–5 µm je nach Aniloxvolumen und Motiv
Tiefdruck | 1–8 µm je nach Näpfchengeometrie
Siebdruck | 15–100 µm, bei Spezialanwendungen (z. B. Textil-Plastisol) bis 200 µm
Inkjet | 1–3 µm (Trockenfilm; Tropfenvolumen 1–80 pL)
Toner/Elektrofotografie | 5–15 µm Schichtdicke auf dem Druckbild

Vergleich zu Lacken: Flüssiglacke werden meist mit 30–200 µm Nassschichtdicke aufgetragen. Die dünnschichtigen Druckverfahren — Offset, Flexo, Tiefdruck, Inkjet (1–8 µm) — liegen damit ein bis zwei Größenordnungen darunter; Nur der Siebdruck (15–100 µm, im Sonderfall bis 200 µm) erreicht Lackniveau.

Für den Lacklaboranten entscheidend

Pigment und Bindemittel müssen zueinander passen: Benetzung und Stabilisierung sind Voraussetzung für eine gute Dispersion.
Die Farbe muss im jeweiligen Druckwerk das erforderliche Fließ- und Übertragungsverhalten besitzen.
Der Farbfilm muss nach der Trocknung/Härtung die geforderte Haftung, Abriebfestigkeit und Beständigkeit erreichen.
Eine Rohstoffänderung kann mehrere Eigenschaften gleichzeitig verändern.
Die geringe Schichtdicke (oft < 5 µm) erfordert eine besonders gute Dispersion und Farbstärke: was in dickerer Schicht noch tolerierbar wäre, kann im Druck als Farbtonabweichung oder Weißschleier sichtbar werden. Der Dispergiergrad wird im Labor mit dem Grindometer (DIN EN ISO 1524) grob und über Partikelgrößenmessung (z. B. Laserbeugung) genau kontrolliert; kleine Primärpartikel garantieren keine agglomeratfreie Dispersion.

Merksatz

Nicht der einzelne Rohstoff entscheidet über die Druckqualität, sondern das Zusammenspiel aus Rezeptur, Herstellung, Druckverfahren, Bedruckstoff und Trocknung/Härtung.

DruckfarbeFarbmittelPigmentBindemittelVehicleFirnisAdditiveReaktive KomponentenLösemittelTrägerDispersionBenetzungSchichtdickeµm
Quellen
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
  • ISO 12644
  • DIN EN ISO 1524
  • EuPIA — Leitlinien der European Printing Ink Association

Übungsblatt Ü-140

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Nennen Sie die vier Komponentengruppen einer Druckfarbe mit ihrer jeweiligen Funktion und geben Sie je ein typisches Beispiel an.

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FarbmittelPigmente (organisch, anorganisch) oder Farbstoffe (z. B. bestimmte Inkjet): geben Farbe, Deckkraft und Transparenz.
Bindemittel/VehicleHarze, Öle/Firnisse, Polymere: benetzen das Pigment, transportieren es und bilden nach der Trocknung/Härtung den Farbfilm.
Träger/flüchtige BestandteileLösemittel, Wasser, Reaktivverdünner: ermöglichen Verarbeitung und Einstellung des Fließverhaltens; werden bei physikalischer Trocknung entfernt oder bei UV/ESH in den Film eingebaut.
AdditiveDispergiermittel, Entschäumer, Wachse, Netzmittel, Sikkative: gezielte Optimierung einzelner Eigenschaften.
Warum das eine Eins verdientAlle vier Komponentengruppen mit Funktion und Beispiel werden korrekt genannt. Der Unterschied zwischen flüchtigen und nicht-flüchtigen Bestandteilen sowie reaktiven Komponenten (UV) erhöht die Qualität der Antwort.
Berechnung9 Punkte

2. Eine Offsetfarbe wird mit 1,5 g/m² auf Papier übertragen (Dichte 1,1 g/cm³, kein flüchtiger Anteil). a) Welche Schichtdicke ergibt sich? b) Vergleichen Sie das Ergebnis mit einer typischen Siebdruckschicht von 30 µm.

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a) Volumen je m²V = m / ρ = 1,5 g / 1,1 g/cm³ = 1,36 cm³/m²
a) Schichtdicke1 m² = 10 000 cm² → d = 1,36 / 10 000 cm = 0,000136 cm = 1,36 µm
a) AntwortsatzDie Offsetschicht beträgt ca. 1,4 µm — typisch für Offsetdruck (1–3 µm).
b) Vergleich30 µm (Siebdruck) : 1,36 µm (Offset, ungerundet) ≈ Faktor 22. Siebdruckschichten sind damit rund 20-mal dicker. Konsequenz: Siebdruckfarbe braucht entsprechend mehr Material, aber auch weniger Farbstärke je Volumeneinheit.
Warum das eine Eins verdientUmrechnung Masse → Volumen → Schichtdicke korrekt; Vergleich Siebdruck/Offset mit Faktor und sachlicher Folgerung.
Anwendung7 Punkte

3. Ein Pigment mit sehr kleiner Primärpartikelgröße zeigt im Druckbild unerwartet geringe Farbstärke. Was ist die wahrscheinliche Ursache und was prüfen Sie?

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Wahrscheinliche UrsacheDas Pigment liegt in Form von Agglomeraten vor, nicht als Primärpartikel. Kleine Primärpartikel bedeuten nicht automatisch gute Dispersion.
PrüfungGrindometer nach ISO 1524 zur Grobkontrolle; besser: Partikelgrößenmessung (Laserbeugung, DLS) zur Bestimmung der Agglomeratverteilung.
AbhilfeDispergierparameter (Zeit, Scherung, Dispergiermittel) anpassen; ggf. Rezeptur überprüfen.
Warum das eine Eins verdientDie Unterscheidung Primärpartikelgröße ≠ Dispergiergrad/Agglomerat wird korrekt hergestellt und eine gezielte Prüfung benannt.

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