Alle Tafeln › Kapitel 11 · Druckfarben
L-141
Herstellung: vom Ansatz zur fertigen Druckfarbe
Ansatz, Dispergieren, Let-down, Einstellen, Filtrieren — und die typischen Fehlerquellen
WahlqualifikationB 11
Die Herstellungsschritte im Überblick
Ansatz | Was passiert: Rohstoffe werden in definierter Reihenfolge eingewogen und zusammengeführt | Typische Kontrolle: Einwaage, Reihenfolge, Temperatur
Vormischen | Pigment wird mit Vehicle/Medium und ggf. Dispergiermittel benetzt | Homogenität, Klumpenfreiheit
Dispergieren | Agglomerate werden mechanisch aufgeschlossen und stabilisiert | Feinheit, Farbton, Temperatur
Let-down | Weitere Bindemittel-/Lösemittel-/Additivanteile werden eingearbeitet | Viskosität, Farbton, Farbstärke
Einstellen | Farbe wird auf Zielwerte gebracht (Farbton, Farbstärke, Viskosität/Rheologie) | Labormessung gegen Standard (Feinheit: Grindometer; Viskosität pastöser Farben: Fallstabviskosimeter nach ISO 12644; Dichte)
Filtrieren | Grobpartikel und Fremdteile werden entfernt, sofern das System es verlangt | Filterrückstand, Druckverlust
Freigabe | Laborvergleich gegen Standard und Spezifikation | Gesamtprüfplan vor Abfüllung
Dispergieren verstehen
Pigmentagglomerat → Benetzung → Aufschluss durch Scherung → Verteilung → Stabilisierung.
Einflussfaktoren auf die Dispergierqualität:
Pigmentart und Oberflächenchemie: Bestimmen den Dispergiermittel- und Bindemittelbedarf.
Dispergiermittel: Menge und Typ müssen auf Pigment und Bindemittel abgestimmt sein.
Feststoffgehalt: Zu hoch → Viskosität zu hoch, Aggregatbildung; zu niedrig → ineffizient, Farbstärke zu gering.
Scherung und Zeit: Nicht „möglichst viel Scherung“, sondern ausreichend und reproduzierbar. Zu viel Scherung kann das System schädigen.
Temperatur: Beeinflusst Viskosität und Stabilität während des Dispergierens; kontrolliert halten und dokumentieren.
Geräte — abhängig vom Farbsystem
Dissolver (Rührwerksdispergierer): häufig für Vormischen und Vorbenetzen; geeignet für mittelviskose Systeme.
Dreiwalzenstuhl: klassisch für hochviskose Pasten, insbesondere Offsetfarben und Pastenkonzentrate. Gute Kontrolle; aber langsam und arbeitsintensiv.
Perlmühle/Rührwerkskugelmühle: geschlossenes Dispergieren für geeignete, pumpbare Systeme. Hoher Durchsatz. Mahlkörperverschleiß und Kontamination beachten.
Hochdruckhomogenisator: für sehr feine Dispersionen, z. B. bestimmte Inkjet-Tinten.
Grundregel: Das Aggregat wird durch die Pigmentkonzentration, das Bindemittelsystem und die geforderte Feinheit bestimmt — nicht umgekehrt.
Typische Fehler und ihre Ursachen
Zu geringe Farbstärke nach Dispergierung | Mögliche Ursachen: unzureichende Benetzung, zu kurze Mahldauer, falscher Dispergiermitteltyp oder -menge, Flockulation nach der Mahlung
Farbtonabweichung | Mögliche Ursachen: Dispergiergrad, Schattierungspigment fehlt oder falsch dosiert, unterschiedliche Chargenqualität des Pigments
Feinheit außerhalb Spezifikation | Mögliche Ursachen: Mahlparameter (Zeit, Temperatur, Füllgrad), Aggregatverschleiß, Kontamination
Viskosität zu hoch oder inhomogen | Mögliche Ursachen: Temperatureffekte beim Dispergieren, Strukturaufbau nach Dispergierung, falscher Let-down
Praxismerksatz
Ist die Farbe nach dem Mahlen farbstärker als der Standard, kann das an einer besseren Dispergierung liegen. Die Pigmentmenge muss deshalb nicht verändert werden; zuerst müssen Prozess- und Dispergierqualität geprüft werden.
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
- ISO 12644
Übungsblatt Ü-141
Prüfen, ob es sitzt.
1. Beschreiben Sie die Herstellungsschritte einer pastösen Offsetdruckfarbe vom Ansatz bis zur Freigabe. Welche Kontrollpunkte sind in der Produktion entscheidend?
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2. Eine lösemittelbasierte Flexodruckfarbe hat 38 % Festkörperanteil und soll auf 30 % verdünnt werden. Wie viel Lösemittel (in kg) ist je 100 kg Farbe nötig?
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3. Nach dem Mahlen auf dem Dreiwalzenstuhl ist die Farbe farbstärker als der Standard, obwohl die Rohstoffmengen korrekt eingewogen wurden. Was ist die wahrscheinlichste Ursache und was tun Sie?