Alle Tafeln › Kapitel 12 · Prüf- und Messtechnik
L-150
pH-Wert, Leitfähigkeit und MEQ
Wichtige Kenngrößen wässriger Lacksysteme
Prüfungsteil 1A 7.1 · A 7.2
pH-Wert
Der pH-Wert ist der negative dekadische Logarithmus der H⁺-Aktivität; in verdünnten Lösungen darf man näherungsweise mit der H⁺-Konzentration rechnen. Er beeinflusst bei vielen wässrigen Bindemittelsystemen Neutralisation, Ladungszustand, Stabilität und Applikation; die Bedeutung ist systemabhängig. Gemessen wird mit der Glaselektrode; in pigmentierten Lacken ist die Messung durch Beläge auf der Elektrode fehleranfällig — Elektrode reinigen und kalibrieren. pH-Papier dient nur als grober Anhalt.
MEQ-Wert
Der MEQ-Wert gibt die Milliäquivalente an Säure oder Base je 100 g Lackfestkörper an — also die Menge des eingesetzten Neutralisationsmittels — und ergänzt damit den pH-Wert; beide Kennwerte beantworten unterschiedliche Fragen. Weil er nicht vom Zustand einer Elektrode abhängt, ist er für den Chargenvergleich reproduzierbarer und aussagekräftiger als der pH-Wert allein. Bestimmt wird er durch Titration.
Rechenweg
MEQ = V · 1000 / (m_Lack · nfA) V = Verbrauch an Maßlösung, 0,1 mol/l einwertige Säure bzw. Base [ml] m_Lack = eingewogene Lackmenge [g] nfA = nichtflüchtiger Anteil (Festkörper) [%] Ergebnis: Milliäquivalente je 100 g Festkörper
Elektrische Leitfähigkeit
Die Leitfähigkeit ist ein Maß für gelöste Ionen (in µS/cm). Sie ist besonders bei Elektrotauchlacken und Wasserlacken wichtig: eine erhöhte Leitfähigkeit kann auf erhöhten Ionengehalt, Neutralisationsmittel oder Verunreinigungen hinweisen; ihre Bedeutung für Stabilität und Flockulation muss systemspezifisch bewertet werden.
Umwelt und Sicherheit
Neutralisationsamine riechen und können reizen — gut lüften, Hautkontakt meiden. Wässrige Reste nicht ungeklärt einleiten; als Indirekteinleiter gelten Grenzwerte. Elektroden pfleglich behandeln und regelmäßig kalibrieren.
Merksatz
pH = H⁺-Aktivität (Glaselektrode) — Momentaufnahme; MEQ = Neutralisationsmittel je 100 g Festkörper (Titration) — mengenbezogen und vom Messaufbau unabhängiger; beide ergänzen sich. Leitfähigkeit (µS/cm) = gelöste Ionen; hoher Wert kann auf Instabilität hinweisen (systemabhängig zu bewerten).
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
Übungsblatt Ü-150
Prüfen, ob es sitzt.
1. Warum ist der MEQ-Wert bei Wasserlacken aussagekräftiger als der pH-Wert allein?
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2. Zur MEQ-Bestimmung werden 5,00 g Lack (nfA = 40 %) titriert; verbraucht werden 3,0 ml Salzsäure, 0,1 mol/l. Berechnen Sie den MEQ-Wert.
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3. Ein Wasserlack wird bei der Eingangskontrolle mit stark erhöhter Leitfähigkeit gemessen. Wie deuten Sie das und was ist zu befürchten?