Der Lacklaborant Lernwerk

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L-151

Analytik flüssiger Rohstoffe

Siedeverhalten, Verdunstungszahl, Dichte, Brechzahl, GC, Farbzahl, Auslaufviskosität, Festkörper

Prüfungsteil 1A 7.1

KernaussageLösemittel und flüssige Rohstoffe werden über Siedeverhalten, Verdunstungszahl, Dichte, Brechzahl, Farbzahl und Gaschromatographie auf Identität, Reinheit und Verarbeitungsverhalten geprüft; bei flüssigen Lacken kommen Auslaufviskosität (ISO 2431) und Festkörpergehalt (ISO 3251) als einfache Routinekenngrößen dazu.

Siedeverhalten

Die Siedeanalyse (Destillation) trennt ein Lösemittelgemisch nach dem Siedebereich in leicht-, mittel- und schwerflüchtige Anteile auf. Der Verlauf der Temperatur-Siedekurve kennzeichnet die Zusammensetzung und beeinflusst Verdunstung, Verlauf und Lösemittelretention im Film.

Verdunstungszahl

Die Verdunstungszahl VD (DIN 53170) gibt an, wie viel langsamer ein Lösemittel verdunstet als Diethylether (VD_Ether = 1). Einteilung: leichtflüchtig VD < 10, mittelflüchtig 10–35, schwerflüchtig 35–50, sehr schwerflüchtig > 50. Die VD ist ein wichtiger Hinweis auf das Verdunstungsverhalten und kann Trocknungsgeschwindigkeit, Verlauf und die Neigung zu Läufern beeinflussen; die tatsächliche Wirkung hängt vom Lösemittelgemisch und der Formulierung ab.

Dichte und Brechzahl

Die Dichte wird mit dem Pyknometer (Wägefläschchen mit exakt definiertem Volumen: aus der Wasserfüllung folgt das Volumen über V = m(Wasser)/ρ(Wasser), danach gilt ρ(Probe) = m(Probe)/V bzw. ρ(Probe) = (m(Probe)/m(Wasser)) · ρ(Wasser)) oder dem Biegeschwinger bestimmt, die Brechzahl mit dem Refraktometer. Beide sind schnelle Vergleichskennzahlen für Identitäts- und Eingangskontrollen; für eine belastbare Reinheitsprüfung sind je nach Rohstoff weitere Analysen erforderlich.

Zusammensetzung und Farbzahl

  • Gaschromatographie (GC) — trennt und identifiziert die Bestandteile eines Lösemittelgemischs und erfasst Verunreinigungen.
  • Farbzahl klarer Flüssigkeiten — Gardner-Farbzahl bzw. Hazen/APHA (Platin-Cobalt) und die Iodfarbzahl geben unerwünschte Verfärbungen an; wichtig bei Harzlösungen und Klarlacken.

Umwelt und Sicherheit

Bei allen Prüfungen Lösemitteldämpfe und Flammpunkt beachten (Absaugung, geschlossene Systeme). Reste als Sonderabfall entsorgen. Bevorzugt lösemittelarme bzw. VOC-arme Rohstoffe einsetzen und die Emissionen niedrig halten.

Viskositätsmessung: Auslaufbecher (ISO 2431)

Das meistgenutzte Viskositätsmessgerät im Lacklabor: Der Auslaufbecher (ISO 2431) misst die Zeit in Sekunden, die eine definierte Lackmenge braucht, um durch eine kalibrierte Öffnung auszulaufen. Genormt sind ISO-Becher mit 3, 4, 5 und 6 mm Düsendurchmesser. Der früher übliche DIN-4-Becher stammt aus der 1996 zurückgezogenen DIN 53211, der Ford-Becher 4 aus ASTM D1200 — beide sind keine ISO-2431-Becher und liefern andere Werte. Volumen: 100 mL. Messung: Lack bei 23 °C temperieren, Düse mit dem Finger verschließen, befüllen, Finger lösen und die Zeit bis zum Abreißen des Strahls stoppen. Die Düse ist so zu wählen, dass die Auslaufzeit im gültigen Bereich von 30 bis 100 s liegt — darunter wird die Strömung turbulent. Typisch sind für einen verarbeitungsfähigen Spritzlack 30–45 s und für einen Streichlack 45–90 s. Wichtig: Unterschiedliche Bechertypen und Düsengrößen liefern nicht vergleichbare Werte — Becher und Düse immer angeben.

Festkörperbestimmung (ISO 3251) — Messparameter

Die Festkörperbestimmung nach ISO 3251 erfolgt gravimetrisch: Einwaage 1,0 g ± 0,1 g auf ein flaches Aluminiumschälchen mit einem Bodendurchmesser von (75 ± 5) mm — ein Toleranzfeld und kein Mindestmaß, weil die Flächenbelegung (Probenmasse je Fläche) den Messwert beeinflusst. Standardbedingungen: 105 °C / 60 Minuten für die meisten lösemittelhaltigen Lacke; 125 °C / 60 Minuten für hochsiedende Systeme (z. B. manche Alkydharz-Einbrennlacke). Typische Festkörperwerte: Alkydharz-Lufttrockner 45–60 %, 2K-PUR-Lack 50–70 %, wasserbasierter Industrielack 35–50 % (ein wässriger Automobil-Basislack liegt mit rund 15–25 % deutlich darunter). Achtung: Der Festkörperwert ist temperaturabhängig — bei unterschiedlichen Bedingungen sind die Werte nicht direkt vergleichbar (ISO 3251-Festkörper ≠ Einbrennrückstand).

Merksatz

Siedeanalyse = Flüchtigkeitsprofil; VD = Verdunstung relativ zu Ether (klein = schnell); Dichte/Brechzahl = Identität; GC = Zusammensetzung; Gardner/Hazen/Iod = Farbzahl. Auslaufbecher nach ISO 2431 (Düsen 3/4/5/6 mm, 23 °C, gültig 30–100 s): Viskosität in Sekunden; DIN-4- und Ford-4-Becher sind eigene, nicht deckungsgleiche Bechertypen — Becher, Norm und Temperatur immer angeben. Festkörper ISO 3251: 1 g Einwaage, 105 °C / 60 min Standard.

SiedebereichSiedeanalyseVerdunstungszahlVDDichtePyknometerBrechzahlGaschromatographieFarbzahlGardnerHazenAuslaufbecherISO 2431AuslaufzeitFestkörpergehaltISO 3251
Quellen
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
  • DIN 53170
  • ASTM D1200
  • ISO 2431
  • ISO 3251

Übungsblatt Ü-151

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Welche Kennzahlen prüfen Sie an einem angelieferten Lösemittel und was sagen sie aus?

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SiedeverhaltenSiedeanalyse zeigt das Flüchtigkeitsprofil (leicht/mittel/schwer) und damit Verdunstung und Verlauf.
VerdunstungszahlVD gibt die Verdunstung relativ zu Diethylether an — klein bedeutet schnell flüchtig.
Dichte und BrechzahlSchnelle Vergleichskennzahlen für Identitäts- und Eingangskontrolle; für eine belastbare Reinheitsprüfung braucht es je nach Rohstoff weitere Analysen.
GC und FarbzahlDie Gaschromatographie erfasst die Zusammensetzung; die Farbzahl (Gardner/Hazen/Iod) zeigt unerwünschte Verfärbung.
Warum das eine Eins verdientDie Kennzahlen werden mit ihrer jeweiligen Aussage verknüpft und nicht nur aufgezählt.
Berechnung8 Punkte

2. Ein Pyknometer wiegt leer 25,00 g, mit Wasser 74,80 g und mit einem Lack 84,60 g (alle bei 20 °C, ρ_Wasser = 0,9982 g/cm³). Berechnen Sie die Dichte des Lacks.

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Masse Wasserm_W = 74,80 g − 25,00 g = 49,80 g
Masse Lackm_L = 84,60 g − 25,00 g = 59,60 g
Ansatzρ_L = (m_L / m_W) · ρ_Wasser
Rechnungρ_L = (59,60 g / 49,80 g) · 0,9982 g/cm³ = 1,1968 · 0,9982 g/cm³ = 1,195 g/cm³
AntwortsatzDie Dichte des Lacks beträgt rund 1,195 g/cm³.
Warum das eine Eins verdientDas Pyknometerprinzip (Vergleich über gleiches Volumen) wird korrekt angewandt und die Wasserdichte einbezogen.
Anwendung6 Punkte

3. Ein Decklack läuft in der Produktion trotz gleicher Rezeptur plötzlich stärker. Wie kann die Lösemittelanalytik helfen, die Ursache zu finden?

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VerdachtEin zu langsam verdunstendes bzw. verändertes Lösemittelgemisch hält den Film länger flüssig und begünstigt Läufer.
PrüfungSiedeanalyse und Verdunstungszahl vergleichen; GC auf abweichende Zusammensetzung prüfen.
SchlussWeicht das Flüchtigkeitsprofil ab (mehr Schwerflüchter), kann das die stärkere Läuferbildung erklären; Ursache und Ausmaß sind mit weiteren Prozess- und Lackdaten zu bestätigen — bei Bestätigung Charge sperren und Lieferung reklamieren.
Warum das eine Eins verdientDie Antwort stellt eine prüfbare Hypothese auf und ordnet die passenden Analysenmethoden gezielt zu.

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