Der Lacklaborant Lernwerk

Alle Tafeln › Kapitel 3 · Pigmente, Füllstoffe und Additive

L-41

Korrosionsschutz-Pigmente

Zinkphosphat statt Blei und Chromat

Prüfungsteil 1A 9

KernaussageKorrosionsschutzpigmente wirken über drei unterschiedliche Mechanismen, die moderne Systeme meist kombinieren: aktiv-passivierend (Zinkphosphat), kathodisch-opfernd (Zinkstaub) oder rein physikalisch als Barriere (Eisenglimmer). Zinkphosphat ist dabei kein kathodischer Schutz, sondern gehört zu den wichtigsten aktiv-passivierenden Korrosionsschutzpigmenten und ist in vielen modernen Beschichtungssystemen etabliert; die früher üblichen Blei- und Chromat-Pigmente sind giftig bzw. krebserzeugend und heute stark beschränkt bzw. weitgehend nicht mehr zulässig.

Drei Grundprinzipien des Korrosionsschutzes

Für Lacklaboranten ist die Unterscheidung von aktivem chemischem Schutz, kathodischem Schutz und Barriereschutz zentral; moderne Beschichtungssysteme kombinieren diese Mechanismen meist. Aktive Pigmente (z. B. Zinkphosphat) beeinflussen die elektrochemischen Korrosionsreaktionen an der Metalloberfläche, Zinkstaub schützt den Stahl als Opferanode, und Barrierematerialien wie Eisenglimmer erschweren rein physikalisch den Transport von Wasser, Sauerstoff und Ionen durch den Film. Wichtig ist dabei die Abgrenzung zwischen den ersten beiden: Aktiver Schutz durch Zinkphosphat ist kein kathodischer Schutz. Zinkphosphat opfert sich nicht wie Zinkstaub, sondern wirkt passivierend — es hemmt die Korrosionsreaktion chemisch an der Metalloberfläche, ohne selbst als unedleres Metall bevorzugt zu korrodieren. Kathodisch, im Sinne einer echten Opferanode, arbeitet unter den hier behandelten Pigmenten nur Zinkstaub.

Zinkphosphat — der Standard heute

Zinkphosphat (idealisiert Zn₃(PO₄)₂) und modifizierte Phosphate gehören zu den wichtigsten chromfreien aktiv-passivierenden Korrosionsschutzpigmenten und sind im Vergleich zu den alten Blei- und Chromatpigmenten deutlich weniger problematisch — sie sind in vielen modernen Beschichtungssystemen etabliert. Unter korrosiven Bedingungen kann das schwerlösliche Pigment in begrenztem Umfang Phosphat-Spezies bereitstellen, die an der Metalloberfläche zu schützenden Reaktionsprodukten beitragen; der genaue Mechanismus hängt von Pigment, Bindemittel, pH-Wert, Feuchteangebot und Untergrund ab, es entsteht also nicht immer eine einzige, einheitlich definierte „Passivierungsschicht“. Die Umweltgefährlichkeit von Zinkphosphat ist zudem stoff- und rezepturabhängig und darf nicht pauschal als ungiftig bezeichnet werden; gelöstes Zink kann aquatisch toxisch wirken.

Weitere aktive Pigmente

Zinkphosphat wird selten allein eingesetzt: Weil es für sich nur mäßig wirkt, kombiniert man es meist mit Zinkoxid und organischen Inhibitoren. Zinkoxid puffert saure Abbauprodukte ab, hebt den pH-Wert an der Metalloberfläche und bildet in fettsäurehaltigen Bindemitteln Zinkseifen, die den Film verstärken; organische Inhibitoren steigern die Schutzwirkung zusätzlich (Synergie). Beispiele für solche organischen Inhibitoren sind Benzotriazol (klassisch zum Schutz von Kupfer und Kupferlegierungen), organische Phosphonsäuren bzw. deren Salze und Tannin(säure)-Derivate. Sie wirken meist, indem sie an der Metalloberfläche adsorbieren und dort einen dünnen, schwer durchlässigen Schutzfilm bilden, oder indem sie mit Metallionen stabile, schwerlösliche Komplexe bilden, die die Korrosionsreaktion blockieren — je nach Inhibitortyp überwiegt der eine oder der andere Mechanismus. Zinkstaub (kathodischer Schutz, siehe oben) wird in Zinkstaub-Grundierungen genutzt.

Nicht mehr einsetzbar: Blei- und Chromat-Pigmente

Früher waren Bleimennige (Pb₃O₄) sowie Zink- und Bleichromat sehr wirksam. Blei bzw. Bleiverbindungen sind giftig und zusätzlich als fortpflanzungsgefährdend eingestuft, Chromat (Chrom(VI)) ist krebserzeugend; beide sind heute unter REACH beschränkt bzw. zulassungspflichtig und werden praktisch nicht mehr eingesetzt. Dasselbe gilt für Cadmium-Pigmente. Historische Beschichtungen können bei Sanierungsarbeiten weiterhin angetroffen werden und erfordern eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung.

Auswahl heute

Man wählt umweltverträglichere aktive Pigmente wie Zinkphosphat und Zinkstaub und ergänzt sie durch Barriereschutz. Diesen liefern plättchenförmige (lamellare) Pigmente — allen voran Eisenglimmer (Micaceous Iron Oxide, MIO), dazu Aluminium- und Glasflakes: Sie richten sich beim Trocknen parallel zur Oberfläche aus und verlängern so den Weg, den Wasser und Ionen durch den Film nehmen müssen (labyrinthartige Sperrwirkung, Tortuositätseffekt). Eisenglimmer ist das klassische Barriere-Pigment im schweren Korrosionsschutz (Stahlbau, Brücken); es wirkt rein physikalisch und muss das Metall nicht chemisch passivieren (siehe auch L-40). Beim Einarbeiten gilt: Dissolver ja, Perlmühle nein. Eisenglimmer ist trotz des Namens kein Glimmer, sondern plättchenförmiges Eisenoxid — härter als Aluminiumblättchen, aber wer die Plättchen zerbricht, verliert die Sperrwirkung: Die Bruchstücke wirken nur noch matt und rötlich-braun und schützen nicht mehr.

Reaktionsgleichungen: Korrosion und aktiver Schutz

Eisenkorrosion — Anode:
Fe → Fe²⁺ + 2 e⁻

Sauerstoffreduktion — Kathode:
O₂ + 2 H₂O + 4 e⁻ → 4 OH⁻

Erste Rostbildung (vereinfacht):
Fe²⁺ + 2 OH⁻ → Fe(OH)₂ → (weitere Oxidation) → FeOOH und weitere Rostbestandteile

Zinkstaub als Opferanode (unedler als Fe, wird bevorzugt oxidiert):
Zn → Zn²⁺ + 2 e⁻

Zinkoxid neutralisiert saure Abbauprodukte:
ZnO + 2 H⁺ → Zn²⁺ + H₂O

Zinkoxid kann in fettsäurehaltigen Bindemitteln zusätzlich Zinkseifen bilden:
ZnO + 2 RCOOH → Zn(RCOO)₂ + H₂O

Die modernsten Typen

Der Trend geht zu chromat- und zunehmend auch zinkfreien Systemen. Zinkphosphat wird dafür modifiziert und dotiert — etwa als Zink-Aluminium-Phosphat oder Zink-Molybdänphosphat, oft mit Zinkoxid, Molybdat oder Zirkonat kombiniert. Aufgrund der Umweltbewertung bestimmter zinkhaltiger Phosphate und des Trends zu geringerer Umweltbelastung gewinnen zinkfreie bzw. zinkreduzierte Korrosionsschutzpigmente an Bedeutung: Aluminium-Ortho-, -Poly- und -Tripolyphosphate sowie calciummodifizierte Pigmente (Calcium-Ionenaustauscher auf Kieselsäure), die passivierende Ionen langsam freisetzen. In der Entwicklung sind nanoskalige und „smarte“ Pigmente, die Inhibitoren erst bei beginnender Korrosion gezielt (mikroverkapselt) abgeben.

Merksatz

Drei Mechanismen, nicht zu verwechseln: Aktiver, passivierender Schutz (Zinkphosphat) hemmt die Korrosionsreaktion chemisch an der Metalloberfläche — Zinkphosphat opfert sich dabei nicht. Kathodischer Schutz (Zinkstaub: Zn → Zn²⁺ + 2 e⁻) opfert dagegen tatsächlich das unedlere Zink als Opferanode. Barriereschutz (z. B. Eisenglimmer/MIO) verlängert rein physikalisch den Diffusionsweg. Moderne Systeme kombinieren mehrere Mechanismen. Blei (Mennige), Chromat (Chrom(VI)) und Cadmium sind giftig/krebserzeugend und heute stark beschränkt bzw. nicht mehr zulässig.

KorrosionsschutzZinkphosphatZinkstaubZinkoxidZinkseifePassivierungaktiv-passivierendOpferanodeKathodenschutzBarriereschutzEisenglimmerMIOTortuositätBleimennigeChromatChrom(VI)REACHInhibitorBenzotriazol
Quellen
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
  • Müller/Poth, Lackformulierung und Lackrezeptur

Übungsblatt Ü-41

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Worin unterscheidet sich aktiver Korrosionsschutz vom Barriereschutz? Nennen Sie den heutigen Standard und erklären Sie die Wirkung von Zinkstaub.

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Aktiv vs. BarriereAktive Pigmente passivieren das Metall chemisch; Barriereschutz hält nur Wasser und Ionen fern.
Standard heuteZinkphosphat und modifizierte Phosphate — im Vergleich zu Blei- und Chromatpigmenten deutlich weniger problematisch.
ZinkstaubWirkt kathodisch: Das unedlere Zink opfert sich und schützt das Eisen (Opferanode).
Warum das eine Eins verdientAktiv/Barriere, Zinkphosphat als Standard und der kathodische Zinkstaub-Mechanismus werden korrekt erklärt.
Berechnung8 Punkte

2. Eine Korrosionsschutzgrundierung enthält 15 % Zinkphosphat bezogen auf die Gesamtrezeptur. Wie viel Zinkphosphat ist in einem Ansatz von 500 g enthalten?

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Rechnungm = 500 g · 15/100 = 75 g
AntwortsatzDer Ansatz enthält 75 g Zinkphosphat.
Warum das eine Eins verdientDie Prozentrechnung ist korrekt.
Anwendung6 Punkte

3. Warum werden Blei- und Chromat-Pigmente nicht mehr eingesetzt, und was verwendet man stattdessen?

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GefahrBlei ist giftig, Chromat (Chrom(VI)) krebserzeugend; beide sind unter REACH beschränkt bzw. zulassungspflichtig und werden praktisch nicht mehr eingesetzt.
ErsatzZinkphosphat und modifizierte Phosphate sowie — je nach System — Zinkstaub; gegenüber den früher eingesetzten Blei- und Chromatpigmenten deutlich weniger problematisch. Die Umwelt- und Gesundheitsbewertung erfolgt jedoch stoff- und anwendungsbezogen.
Warum das eine Eins verdientDie Toxizität/Verbotslage und der Ersatz durch Zinkphosphat/Zinkstaub werden korrekt genannt.

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