Alle Tafeln › Kapitel 7 · Wasserlacke und Elektrotauchlackierung
L-79
Siliconharz- und Dispersionssilicatfarben
Zwei Kompromisse zwischen Silicatfarbe und Dispersionsfarbe
Prüfungsteil 2B 4 · A 10
Warum es diese Zwischenstufen gibt
Reine Silicatfarbe (siehe L-78) ist diffusionsoffen und beständig, aber als 2K-System mit begrenzter Topfzeit umständlich zu verarbeiten. Reine Dispersionsfarbe (siehe L-77) ist einfach zu verarbeiten, aber weniger diffusionsoffen. Zwei Bindemitteltypen überbrücken diese Lücke.
Siliconharzfarben
Sie kombinieren eine Kunststoffdispersion (meist Styrol-Acrylat) mit einer Siliconharzemulsion. Die Siliconharzemulsion senkt die Wasseraufnahme und verbessert die Wasserdampfdurchlässigkeit gegenüber der reinen Dispersionsfarbe — ein höherer Siliconanteil verbessert diese Balance in vielen Systemen, macht die Farbe aber teurer (Genaueres ist formulierungsabhängig). Für stark bewitterte Fassaden lohnt sich der höhere Siliconanteil trotzdem.
Dispersionssilicatfarben (1K)
Hier wird stabilisiertes Kaliwasserglas mit einer geringen Menge Kunststoffdispersion kombiniert (organischer Anteil meist unter 5 %). Anders als die 2K-Silicatfarbe ist sie gebrauchsfertig als Einkomponentensystem und steht nicht ab dem Anmischen unter Zeitdruck. Das macht sie für die Baustellenpraxis deutlich unkomplizierter als die 2K-Silicatfarbe.
Deutscher Denkmalschutz-Sonderfall
Für den Denkmalschutz wird häufig die reine 2K-Silicatfarbe verlangt; wo eine 1K-Verarbeitung möglich sein soll, wird allenfalls eine Dispersionssilicatfarbe mit sehr geringem organischem Anteil (höchstens 5 Prozent) zugelassen — hier zählt die möglichst reine mineralische Wirkung. Für normale Fassadensanierungen reichen Siliconharz- oder Dispersionssilicatfarben meist aus. Auflagen des Denkmalschutzes sind vorab zu klären.
Auswahl in der Praxis
Für Standardfassaden genügt oft die günstigere reine Dispersionsfarbe; bei hoher Beanspruchung oder Denkmalauflagen wählt man die mineralischeren Systeme.
Merksatz
Siliconharzfarbe = Dispersion + Siliconemulsion (bessere Diffusion, einfache 1K-Verarbeitung). Dispersionssilicatfarbe = Wasserglas + wenig Dispersion (mineralischer, aber trotzdem 1K). Beide sind Kompromisse zwischen Silicat- und Dispersionsfarbe.
- Müller/Poth, Lackformulierung und Lackrezeptur
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
Übungsblatt Ü-79
Prüfen, ob es sitzt.
1. Worin unterscheiden sich Siliconharzfarben und Dispersionssilicatfarben in ihrem Aufbau?
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2. Eine Siliconharzfarbe enthält im Bindemittel-Festkörper 20 % Siliconharz und 80 % Kunststoffdispersion. Für 3,0 kg Bindemittel-Festkörper: Wie viel Siliconharz-Festkörper wird gebraucht?
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3. Ein Bauherr möchte eine preisgünstige, aber diffusionsoffene Fassadenfarbe ohne die Verarbeitungshürden einer 2K-Silicatfarbe. Welchen Farbtyp empfehlen Sie und warum?