Alle Tafeln › Kapitel 12 · Prüf- und Messtechnik
L-152
Qualitativer Eisennachweis
Eisen(III) sichtbar machen: Thiocyanat und Berliner Blau
Prüfungsteil 1A 7.1
Warum Nachweisreaktionen
In der Lackanalytik muss man oft qualitativ feststellen, welche Ionen ein Rohstoff oder ein Rückstand enthält — etwa Eisen aus Eisenoxidpigmenten oder aus Korrosion. Für den Nachweis wird die Probe zunächst gelöst; störende Ionen werden möglichst abgetrennt, damit sie die Nachweisreaktion nicht verfälschen.
Nachweis mit Thiocyanat
Versetzt man eine schwach salzsaure Lösung mit Ammonium- oder Kaliumthiocyanat, bildet Eisen(III) einen tiefroten, blutroten Eisen(III)-thiocyanato-Komplex. Die Reaktion ist empfindlich: Unter geeigneten Bedingungen zeigt bereits ein geringer Eisen(III)-Gehalt eine deutliche Rotfärbung; Empfindlichkeit und Sichtbarkeit hängen von Matrix und Versuchsbedingungen ab.
Nachweis als Berliner Blau
Alternativ versetzt man die schwach salzsaure Lösung mit einer Kaliumhexacyanoferrat(II)-Lösung. Eisen(III) kann dabei einen tiefblauen Niederschlag, das Berliner Blau, bilden; Bildung und Intensität hängen von pH, Konzentration und Störionen ab. Unter geeigneten Bedingungen ist dieser Nachweis empfindlich und gut sichtbar.
Die Reaktionsgleichungen
Thiocyanat-Nachweis (Komplexbildung): Fe³⁺ + SCN⁻ ⇌ [Fe(SCN)]²⁺ (blutrot; bei Überschuss weitere Thiocyanato-Komplexe) Berliner Blau (Fällung, vereinfacht): 4 Fe³⁺ + 3 [Fe(CN)₆]⁴⁻ → Fe₄[Fe(CN)₆]₃↓ (unlösliches Berliner Blau) Mit K⁺-Überschuss entsteht die lösliche Form KFe[Fe(CN)₆].
Qualitativ, nicht quantitativ
Solche Tüpfel- oder Reagenzglasnachweise sind schnelle qualitative Prüfungen: Sie zeigen, ob ein Ion vorhanden ist, nicht wie viel. Für die Menge nutzt man Titrationen oder instrumentelle Verfahren. Eisenoxidpigmente in Rot, Gelb und Schwarz sind ein typischer Anlass, Eisen im Labor nachzuweisen.
Umwelt und Sicherheit
Beide Reagenzien sind kein Routinegut: Kaliumthiocyanat ist gesundheitsschädlich beim Verschlucken, Kaliumhexacyanoferrat(II) ist als solches zwar wenig giftig, setzt aber mit starken Säuren Cyanwasserstoff (Blausäure) frei. Deshalb gilt: den Nachweis nur schwach angesäuert und im Abzug durchführen, niemals konzentrierte Säure zugeben und die Ansätze nicht mit Säureabfällen zusammenschütten.
Entsorgung getrennt als cyanidhaltiger Abfall nach Betriebsanweisung — nicht in den Ausguss. Vor jeder Nachweisreaktion das Sicherheitsdatenblatt und die Betriebsanweisung nach GefStoffV heranziehen; Schutzbrille und Handschuhe sind Pflicht.
Merksatz
Eisen(III) qualitativ: mit Thiocyanat blutroter Eisen(III)-thiocyanato-Komplex, mit Hexacyanoferrat(II) tiefblaues Berliner Blau. Beide Reaktionen sind empfindlich und zeigen Anwesenheit, nicht Menge.
- Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
Übungsblatt Ü-152
Prüfen, ob es sitzt.
1. Beschreiben Sie zwei qualitative Nachweise für Eisen(III) und die jeweils beobachtete Färbung.
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2. Eine gelöste Probe enthält 0,0012 mol Eisen(III). Bei der Fällung als unlösliches Berliner Blau, Fe₄[Fe(CN)₆]₃: Wie viel mol Hexacyanoferrat(II) werden gebunden, und welcher Masse Kaliumhexacyanoferrat(II) K₄[Fe(CN)₆] (M = 368,3 g/mol) entspricht das?
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3. Warum ist ein solcher Farbnachweis nur qualitativ und nicht quantitativ?