Der Lacklaborant Lernwerk

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L-16

Alkydharze I — Chemie und Öllänge

Aufbau, Herstellung und die Öllänge als Ordnungsgröße

Prüfungsteil 1A 9 · A 10 · B 12

KernaussageEin Alkydharz ist ein mit Fettsäuren aufgebauter Polyester — die Öllänge sagt, wie viel Öl darin steckt, und beeinflusst zahlreiche Eigenschaften wie Trocknung, Härte, Flexibilität und Löslichkeit.

Was ein Alkydharz ist

Der Name „Alkyd“ setzt sich aus alcohol und acid zusammen: Ein Alkydharz ist ein Polyester aus einem mehrwertigen Alkohol (Glycerin, Pentaerythrit oder Trimethylolpropan), einer mehrbasigen Säure bzw. deren Anhydrid (meist Phthalsäureanhydrid, für härtere Typen Isophthalsäure) und Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen. Die Fettsäure-Seitenketten tragen die Doppelbindungen, über die das Harz an der Luft oxidativ trocknet (siehe L-14).

Herstellung im Prinzip

Alkohol, Säure und Fettsäure werden unter Wasserabspaltung verestert (Polykondensation, siehe L-04). Über das Verhältnis der Bausteine lassen sich Molmasse, Säurezahl und OH-Zahl einstellen. Als Fettsäurequelle dienen trocknende und halbtrocknende Öle wie Leinöl, Sojaöl, Sonnenblumenöl oder Tallöl (siehe L-14).

Die Öllänge als Ordnungsgröße

Die Öllänge ist der Massenanteil des eingesetzten Öls am Harzfestkörper. Bei über Fettsäuren formulierten Alkyden ist die Fettsäuremenge davon zu unterscheiden — beide Bezugsgrößen dürfen nicht vermischt werden. Sie ordnet die Alkyde in Klassen (Richtwerte):

  • Kurzölalkyd — unter 40 % Öl
  • Mittelölalkyd — 40 bis 60 % Öl
  • Langölalkyd — über 60 % Öl
  • sehr langöliger Alkyd — etwa 70 bis 85 % Öl

Was die Öllänge bestimmt

Je höher die Öllänge, desto mehr Öl (Fettsäure) steckt im Harz — bei einem trocknenden Öl also auch mehr trocknende Fettsäure. Ein solcher langöliger Alkyd trocknet oxidativ bei Raumtemperatur, ist weicher und flexibler, verläuft und benetzt gut und löst sich schon in schwach aromatischen Lösemitteln (Testbenzin). Wichtig: Die Öllänge allein sagt noch nichts über die Trocknung — dafür zählt der Fettsäuretyp (siehe unten). Kurzölige Alkyde sind härter und schneller im physikalischen Antrocknen, brauchen aber stärker aromatische Lösemittel oder eine Einbrennhärtung und trocknen kaum von selbst.

Fettsäuretyp und Trocknung

Neben der Menge zählt die Art der Fettsäure. Nur mehrfach ungesättigte, trocknende Fettsäuren (Leinöl-Typ) lassen das Harz oxidativ härten; die Iodzahl ist ihr Maß (siehe L-14). Alkyde aus nichttrocknenden Fettsäuren (Cocosöl, unbehandeltes Ricinusöl) härten nicht von selbst — sie dienen als weichmachende, nicht vergilbende Komponente, etwa in Einbrennlacken mit Aminoharzen.

Grenzen der Alkyde

Die Esterbindungen des Alkyds sind gegen Laugen empfindlich: Im Alkalischen verseifen sie (Hydrolyse zu Seifen). Konventionelle Alkyde sind deshalb für die direkte Beschichtung von frischem, alkalischem Beton und von Zink — vor allem im Duplexsystem direkt auf verzinktem Stahl — problematisch: Neben der Verseifung spielen ungünstige Oberflächenchemie, Zinksalze bzw. Korrosionsprodukte auf der Zinkoberfläche sowie mangelhafte Haftung eine Rolle (Ablösen, Blasen). Deshalb sind geeignete Grundierungen bzw. spezielle Systeme erforderlich, nicht der direkte Alkyd-Auftrag. Weitere Grenzen: Sie vergilben (besonders langölig und im Dunkeln), härten oxidativ nur langsam durch und verspröden mit der Zeit durch fortschreitende Oxidation; Wetter-, Chemikalien- und Kratzbeständigkeit erreichen nicht das Niveau moderner Bindemittel. Im Automobilbau werden sie deshalb nicht eingesetzt — dort verlangen die Einbrennsysteme die Beständigkeit gesättigter Polyester und Acrylate mit Aminoharz- oder Isocyanat-Vernetzung (siehe L-20).

Reaktionsgleichung: Veresterung (Polykondensation)

Grundreaktion — Ester unter Wasserabspaltung:
–COOH + HO–R– → –COO–R– + H₂O

Alkyd = mehrwertiger Alkohol (z. B. Glycerin) + mehrbasige Säure bzw. Säureanhydrid
(z. B. Phthalsäureanhydrid) + Fettsäure, unter Wasserabspaltung verestert.

Beim Säureanhydrid — hier der fünfgliedrige zyklische Anhydridring des
Phthalsäureanhydrids — öffnet ein Alkohol diesen Ring direkt:
Anhydridring + HO–R → –COO–R (neue Esterbindung) + –COOH (freie Säuregruppe)
Dabei wird kein Wasser abgespalten: Der Estersauerstoff stammt aus dem
Alkohol; der Ringsauerstoff wird zusammen mit dem Wasserstoff des Alkohols
zur OH-Gruppe der neu entstehenden freien Carboxylgruppe. Die entstandene freie Carboxylgruppe reagiert danach wie
jede gewöhnliche Säure weiter — bei diesem und allen folgenden Schritten
unter Wasserabspaltung (Grundreaktion oben).

Merksatz

Zwei Größen genügen für die erste Einordnung eines Alkyds: die Öllänge (wie viel Öl) und der Fettsäuretyp (trocknend oder nicht). Sie entscheiden über Trocknung, Härte, Lösemittel und Anwendung.

AlkydharzAlkydÖllängeKurzölalkydMittelölalkydLangölalkydPhthalsäureanhydridIsophthalsäureGlycerinPentaerythritTrimethylolpropanFettsäureLeinöltrocknendes Öloxidative Härtung
Quellen
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
  • Müller/Poth, Lackformulierung und Lackrezeptur

Übungsblatt Ü-16

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Erklären Sie, was ein Alkydharz chemisch ist, und welche Rolle die Fettsäure für die Trocknung spielt.

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Chemischer AufbauEin Alkydharz ist ein Polyester aus einem mehrwertigen Alkohol (z. B. Glycerin, Pentaerythrit), einer mehrbasigen Säure (meist Phthalsäureanhydrid) und Fettsäuren. Der Name steht für alcohol + acid.
Rolle der FettsäureDie Fettsäure-Seitenketten tragen die Doppelbindungen. Nur trocknende, mehrfach ungesättigte Fettsäuren lassen das Harz mit Luftsauerstoff oxidativ vernetzen (siehe L-14).
Folge für die TrocknungOhne trocknende Fettsäure härtet das Harz nicht von selbst; es kann dann nur physikalisch antrocknen oder muss eingebrannt werden.
EinordnungMenge und Art der Fettsäure sind damit die zwei wichtigsten Stellgrößen des Alkyds.
Warum das eine Eins verdientDer Aufbau aus Alkohol, Säure und Fettsäure wird korrekt benannt, und die Trocknung wird ausdrücklich an die Doppelbindungen der Fettsäure geknüpft — nicht an das Verdunsten von Lösemittel.
Berechnung9 Punkte

2. Ein Alkydharz wird aus 65 kg trocknendem Öl und 35 kg harzbildenden Komponenten (Polyol und Säure, als Festkörper gerechnet) aufgebaut. Berechnen Sie die Öllänge und ordnen Sie das Harz einer Klasse zu.

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GegebenÖl = 65 kg; übrige Festkörper = 35 kg; Harzfestkörper = 100 kg
AnsatzÖllänge = Öl / Harzfestkörper · 100 %
RechnungÖllänge = 65 kg / 100 kg · 100 % = 65 %
Einordnung65 % liegt über 60 % → Langölalkyd.
AntwortsatzDie Öllänge beträgt 65 %; es handelt sich um einen Langölalkyd.
Warum das eine Eins verdientDie Öllänge wird auf den gesamten Harzfestkörper bezogen, nicht nur auf die harzbildenden Komponenten. Die Klassengrenze bei 60 % wird richtig angewendet.
Anwendung7 Punkte

3. Ein Maler soll im Freien ein Holzbauteil lufttrocknend und mit dem Pinsel streichen; gute Penetration und geringer Lösemittelgeruch sind gefragt. Welche Öllänge wählen Sie und warum?

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WahlEin Langölalkyd (über 60 % Öl).
TrocknungDer hohe Anteil trocknender Fettsäure lässt das Harz bei Raumtemperatur oxidativ härten — ohne Einbrennen.
Lösemittel und VerarbeitungLangölige Alkyde lösen sich in schwach aromatischem Testbenzin (geruchsärmer), verlaufen gut, benetzen und dringen ins Holz ein und bleiben flexibel.
Nachteil benennenNachteilig sind die langsamere Trocknung und die stärkere Vergilbungsneigung — im Außenbereich meist vertretbar.
Warum das eine Eins verdientDie Wahl wird an den Anforderungen festgemacht (lufttrocknend, streichbar, geruchsarm) und der Nachteil ehrlich genannt. Das zeigt, dass die Öllänge als Kompromiss verstanden ist.

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