Der Lacklaborant Lernwerk

Alle Tafeln › Kapitel 2 · Bindemittel und Lacktypen

L-30

Einbrennlacke — Grundlagen

Reaktive Einkomponentenlacke, die erst in der Hitze vernetzen

Prüfungsteil 1A 8.3 · B 12

KernaussageEin Einbrennlack enthält Bindemittel und Vernetzer in einem Gebinde — sie sind bei Raumtemperatur lagerstabil und reagieren erst beim Einbrennen.

Was ein Einbrennlack ist

Ein Einbrennlack ist ein Beschichtungsstoff, dessen wesentliche chemische Vernetzung durch erhöhte Temperatur beschleunigt und unter den vorgesehenen Einbrennbedingungen erreicht wird — typische Einbrenntemperaturen liegen je nach Bindemittelsystem etwa zwischen 120 und 180 °C, bei speziellen Systemen auch darunter oder darüber. Er enthält ein reaktives Bindemittel und einen Vernetzer, deren Reaktion bei Raumtemperatur so langsam abläuft, dass eine ausreichende Lager- und Verarbeitungsstabilität erreicht wird; erst beim Einbrennen wird die Vernetzung stark beschleunigt. Er zählt zu den chemisch härtenden Lacken — die endgültigen Filmeigenschaften entstehen wesentlich durch die chemische Vernetzung, nicht nur durch bloßes Verdunsten (siehe L-02).

Warum die Hitze nötig ist

Die Einbrenntemperatur sorgt dafür, dass die Vernetzung (etwa OH-Gruppe plus Aminoharz) innerhalb der vorgesehenen Einbrennzeit einen ausreichend vernetzten, belastbaren Film ergibt. Ein Säurekatalysator kann die nötige Temperatur und Zeit senken (siehe L-31). Höhere Temperatur beschleunigt die Reaktion — führt aber nicht automatisch zu einem besseren Film: Zu hohe Temperatur oder zu lange Einbrennzeit kann zu Überhärtung, Vergilbung, Zersetzung oder anderen Filmfehlern führen. Die richtige Kombination aus Bindemittel, Vernetzer, Katalysator, Temperatur und Zeit entscheidet.

Der Aufbau

Den reaktiven Teil bildet ein OH-haltiges Bindemittel — Alkyd (siehe L-16), gesättigter Polyester (siehe L-19) oder Acrylat (siehe L-27). Als Vernetzer kommen drei chemisch unterschiedliche Familien infrage: ein Aminoharz (Melamin-, Harnstoff-, Benzoguanamin- oder Glykolurilharz, siehe L-31), ein verkapptes Isocyanat oder ein Phenolharz (ein Phenol-Formaldehyd-Resolharz, meist kombiniert mit Epoxidharz statt mit Alkyd/Polyester). Phenolharz-Systeme sind chemikalien- und korrosionsbeständiger als Aminoharz-Systeme, dafür dunkler und stärker vergilbend — typisch für Dosen- und Fasslackierungen. Erst Bindemittel und Vernetzer zusammen ergeben den Film.

Einkomponentig und trotzdem reaktiv

Anders als beim 2K-Lack (siehe L-25) stehen beide Partner in einem Gebinde, weil sie bei Raumtemperatur kaum reagieren. Das erspart Mischen und Topfzeit — dafür braucht es den Ofen. Angeliefert und gelagert wird der Lack fertig gemischt. Das macht die Verarbeitung einfach und reproduzierbar.

Wo Einbrennlacke eingesetzt werden

Typisch ist die Serienlackierung, wo eingebrannt werden kann und hohe Beständigkeit gefragt ist: Automobil-Serienlackierung, Coil- und Bandblech-Coating, Geräte, Maschinen und Industrielacke. Für Reparaturen vor Ort eignen sie sich nicht. Der Ofen begrenzt die Anwendung zudem auf hitzebeständige Werkstücke — meist Metall.

Gesundheit und Umwelt

Einbrennlacke bringen eigene Gesundheits- und Umweltaspekte mit: Das Einbrennen kostet viel Energie (Ofen bei 120–180 °C oder mehr). Bei der Vernetzung von Aminoharz-Systemen können flüchtige Spaltprodukte entstehen — je nach Harztyp Formaldehyd, bei etherifizierten Aminharzen häufig auch Alkohole; die Ofenabluft wird deshalb erfasst und ggf. nachbehandelt. Für Innenraumanwendungen (z. B. Möbel, Bauteile) gelten Emissionsanforderungen: Hier geht es um Stoffe, die noch aus dem fertigen, ausgehärteten Film in die Raumluft abgegeben werden können — vor allem Restformaldehyd. Für Lebensmittelkontaktmaterialien (z. B. Dosen-, Fasslacke) gelten zusätzlich Migrationsanforderungen: Hier geht es darum, was aus dem Film in das verpackte Lebensmittel übergehen kann — das betrifft nicht nur Formaldehyd, sondern auch andere Bestandteile des Beschichtungssystems. Beide Anforderungsarten prüfen also unterschiedliche Übergänge (Luft bzw. Lebensmittel) und werden getrennt bewertet. Lösemittelhaltige Einbrennlacke setzen VOC frei; die Abluft kann thermisch oder katalytisch nachbehandelt werden. Bei verkappten Isocyanaten wird beim Entkappen das Blockierungsmittel frei — das freigesetzte Isocyanat selbst reagiert dagegen sofort mit dem Bindemittel weiter (siehe L-33 und L-34). Der Säurekatalysator (z. B. p-Toluolsulfonsäure) wirkt reizend bis ätzend; die genaue Einstufung hängt von Konzentration und Formulierung ab.

Reaktionsprinzip: Vernetzung beim Einbrennen

Lagerstabil bei Raumtemperatur, Reaktion erst in der Hitze:
  Bindemittel–OH + Vernetzer–X →(Δ) Bindemittel–O–Vernetzer + H–X

Je nach Vernetzer wird ein anderes Molekül frei:
  Aminoharz (–CH₂–OR): spaltet R–OH ab
  freies Methylol (–CH₂–OH): spaltet H₂O ab
  verkapptes Isocyanat: gibt in der Hitze das NCO frei

Die Vernetzung ist meist säurekatalysiert.

Merksatz

Der Einbrennlack ist ein reaktives Einkomponentensystem: bei Raumtemperatur lagerstabil, beim Einbrennen vernetzt. Bindemittel und Vernetzer sind bereits zusammen im Gebinde.

EinbrennlackEinbrennenVernetzerreaktives BindemittelAminoharzverkapptes IsocyanatPhenolharzSäurekatalysatorSerienlackierungCoil CoatingAutomobillagerstabileinkomponentigEinbrenntemperaturMigrationsanforderungen
Quellen
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie
  • Müller/Poth, Lackformulierung und Lackrezeptur

Übungsblatt Ü-30

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Was ist ein Einbrennlack, und worin unterscheidet er sich von einem 2K-Lack?

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EinbrennlackEin reaktives Einkomponentensystem: Bindemittel und Vernetzer sind in einem Gebinde, reagieren bei Raumtemperatur kaum und vernetzen erst beim Einbrennen (meist 120–180 °C).
2K-LackZwei getrennte Komponenten, die erst kurz vor der Verarbeitung gemischt werden und dann bei Raumtemperatur reagieren (siehe L-25).
KernunterschiedDer Einbrennlack braucht keine Mischung und hat keine Topfzeit, dafür einen Ofen; der 2K-Lack härtet ohne Hitze, hat aber eine begrenzte Topfzeit.
GemeinsamBeide härten chemisch (nicht nur physikalisch) zu vernetzten, beständigen Filmen.
Warum das eine Eins verdientDer Einbrennlack wird als lagerstabiles 1K-System beschrieben und klar gegen das 2K-System abgegrenzt (Ofen statt Topfzeit). Die Gemeinsamkeit der chemischen Härtung wird erkannt.
Berechnung9 Punkte

2. Ein Einbrenn-Klarlack wird aus Alkydharz und Melaminharz im Festkörperverhältnis 70 : 30 gebaut. Für 8,0 kg Klarlack mit 55 % Festkörper: Wie viel Alkyd- und wie viel Melamin-Festkörper sind enthalten?

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GegebenLack = 8,0 kg; Festkörper = 55 %; Verhältnis Alkyd : Melamin = 70 : 30
Schritt 1 — Festkörper gesamt8,0 kg · 0,55 = 4,4 kg
Schritt 2 — Alkyd4,4 kg · 0,70 = 3,08 kg
Schritt 3 — Melamin4,4 kg · 0,30 = 1,32 kg
AntwortsatzDer Klarlack enthält 3,08 kg Alkyd- und 1,32 kg Melamin-Festkörper; die restlichen 3,6 kg sind Lösemittel.
Warum das eine Eins verdientZuerst wird der Gesamtfestkörper aus dem Festkörpergehalt bestimmt, dann im Verhältnis aufgeteilt. Dass der Rest Lösemittel ist, wird richtig erkannt.
Anwendung7 Punkte

3. Warum eignet sich ein Einbrennlack für die Automobil-Serienlackierung, aber nicht für eine Reparatur vor Ort auf einer Baustelle?

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SerienlackierungIm Werk kann bei 120–180 °C eingebrannt werden; der Lack ist lagerstabil, ohne Topfzeit, und ergibt sehr beständige Filme in kurzer Taktzeit — ideal für die Serie.
BaustelleVor Ort fehlt der Ofen; ohne die Einbrenntemperatur vernetzt der Lack nicht ausreichend.
AlternativeFür die Reparatur nimmt man daher raumtemperaturhärtende Systeme wie 2K-PUR (siehe L-25, L-26).
KernpunktDie Einbrenntemperatur ist der entscheidende Vorteil in der Serie und zugleich der Grund, warum es vor Ort nicht geht.
Warum das eine Eins verdientDie Eignung wird an der Verfügbarkeit der Einbrenntemperatur festgemacht und die Baustelle folgerichtig dem 2K-System zugeordnet. Das ist die geforderte Abwägung.

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