Der Lacklaborant Lernwerk

Alle Tafeln › Kapitel 3 · Pigmente, Füllstoffe und Additive

L-43

Tagesleuchtfarben

Fluoreszenz, geringe Lichtechtheit und der Dreischichtaufbau

Prüfungsteil 1A 8.4 · B 13

KernaussageTagesleuchtpigmente sind mit Fluoreszenzfarbstoff eingefärbte Kunststoffpulver: Sie wandeln kurzwelliges Licht in langwelliges um und leuchten dadurch heller, ohne dabei mehr Energie abzugeben, als sie absorbieren — brauchen aber wegen geringer Lichtechtheit einen UV-Schutz.

Was Tagesleuchtfarben sind

Tagesleuchtfarben wirken auffällig hell, weil sie zusätzlich zum normal reflektierten Licht einen Teil der kurzwelligen bzw. UV-nahen Strahlung in sichtbares Licht umwandeln und mit abstrahlen — möglich macht das die Fluoreszenz. Insgesamt geben sie dabei nie mehr Energie ab, als sie absorbiert haben; die höhere wahrgenommene Helligkeit und Leuchtdichte entsteht durch diese zusätzliche sichtbare Emission, die eine normale Farbe nicht liefert. Tagesleuchtpigmente gehören streng genommen nicht zur Gruppe der klassischen Pigmente: Es sind Fluoreszenzfarbstoffe, eingebettet in eine transparente polymere Matrix — je nach Pigmenttyp aus unterschiedlichen Kunststoffen; häufig sind es Melamin-Toluolsulfonamid-Formaldehyd-Harze, Benzoguanamin-Harze oder formaldehydfreie Polyester- und Polyesteramid-Typen.

Fluoreszenz — das Prinzip

Das Pigment absorbiert kurzwellige Strahlung (UV und kurzwelliges sichtbares Licht): Ein Molekül geht dabei in einen angeregten Zustand über (M + hν → M*) und gibt einen Teil der Energie als längerwelliges, sichtbares Licht wieder ab (M* → M + hν′; Stokes-Verschiebung: λ(Emission) > λ(Absorption), da E(emittiert) < E(absorbiert)). Die Emission klingt nach der Anregung sehr schnell ab — typischerweise im Nanosekundenbereich; darin unterscheidet sich die Fluoreszenz von der Phosphoreszenz, bei der das Leuchten nach dem Abschalten der Lichtquelle noch deutlich länger nachhält.

Geringe Lichtechtheit

Der Preis für die Leuchtkraft ist eine im Vergleich zu vielen klassischen Pigmenten geringere UV- und Wetterbeständigkeit: Organische Fluoreszenzfarbstoffe bauen unter UV-Licht vergleichsweise schnell ab, der Ton verblasst; Matrix und Stabilisierung beeinflussen die tatsächliche Haltbarkeit. Tagesleuchtfarben werden deshalb vor allem dort eingesetzt, wo Signalwirkung wichtiger ist als lange Haltbarkeit — etwa bei Verkehrsleitkegeln und -schildern, Rettungswesten und -booten, Warnkleidung, Arbeitsschutzkennzeichnung sowie an Sport- und Freizeitgeräten, die schnell und aus großer Entfernung auffallen sollen.

Der Dreischichtaufbau

Weil Tagesleuchtfarben schlecht decken und empfindlich sind, baut man sie meist in drei Schichten auf: zuerst ein weißer, hoch deckender Grundlack — er wirft das Licht durch die transparente Leuchtschicht zurück und steigert dadurch die Leuchtkraft —, dann die eigentliche Tagesleuchtfarbe, zuletzt ein schützender Klarlack. Dieser filtert UV-Strahlung nur, wenn er geeignete UV-Absorber enthält, die die relevanten Wellenlängen wirksam abdecken; zusätzlich eingesetzte HALS-Lichtschutzmittel (Hindered Amine Light Stabilizer, sterisch gehinderte Amine) sind keine UV-Filter im engeren Sinn, bremsen aber die photooxidative Schädigung. Die Leuchtschicht wird in mehreren Spritzgängen aufgetragen; wie viel Trockenschicht ein Gang liefert, ergibt sich aus dem Volumenfestkörper: TSD = NSD · VFK/100. Ein Gang mit 40 µm nass und 45 % Volumenfestkörper hinterlässt also 18 µm trocken, und die Gesamtschichtdicke stellt man über die Zahl der Gänge ein. Je dicker die Leuchtschicht, desto höher Leuchtkraft und Lichtechtheit; der konkrete Zielwert ist systemabhängig und richtet sich nach Farbstärke, Untergrund und Herstellervorgabe.

Formulierung

Neben dem Tagesleuchtpigment enthält die Farbe ein Bindemittel (zum Beispiel Polyacrylat), Lichtschutzmittel zur Verbesserung der Beständigkeit sowie Rheologie- und Netz-/Dispergieradditive. Weil das Pigment ein weiches Kunststoffpulver ist, werden beim Dispergieren übermäßige Scherung und Temperaturbelastung vermieden, um die Pigmentmatrix nicht unnötig zu schädigen.

Merksatz

Tagesleuchtpigment = Fluoreszenzfarbstoff im Kunststoffpulver: kurzwelliges Licht rein, langwelliges (mit Stokes-Verschiebung) und binnen Nanosekunden wieder raus — ohne Nachleuchten, aber auch ohne Energiegewinn. Leuchtstark, aber lichtempfindlich — daher Dreischichtaufbau mit schützendem Klarlack, der UV nur mit geeigneten UV-Absorbern wirklich filtert.

TagesleuchtfarbeTagesleuchtpigmentFluoreszenzPhosphoreszenzStokes-VerschiebungLichtechtheitDreischichtaufbauUV-AbsorberHALSLichtschutzmittelLeuchtkraftKlarlackUV-Beständigkeit
Quellen
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie

Übungsblatt Ü-43

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Erklären Sie, warum eine Tagesleuchtfarbe heller wirkt als eine normale Farbe, und worin sich Fluoreszenz von Phosphoreszenz unterscheidet.

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LeuchtwirkungDas Pigment gibt zusätzlich zum reflektierten Licht umgewandelte, vorher unsichtbare bzw. kurzwellige Strahlung als sichtbares Licht ab. Insgesamt wird nie mehr Energie abgegeben, als absorbiert wurde — die höhere wahrgenommene Helligkeit entsteht durch diese zusätzliche sichtbare Emission.
UmwandlungKurzwellige Strahlung (UV, kurzwelliges Sichtbares) regt das Molekül an (M + hν → M*); es gibt anschließend einen Teil der Energie als längerwelligeres, sichtbares Licht wieder ab (M* → M + hν′, Stokes-Verschiebung).
Fluoreszenz vs. PhosphoreszenzFluoreszenz klingt nach der Anregung sehr schnell ab (typischerweise im Nanosekundenbereich); bei Phosphoreszenz hält das Leuchten nach dem Abschalten der Lichtquelle deutlich länger nach.
Warum das eine Eins verdientDie Antwort erklärt die Zusatzabstrahlung physikalisch korrekt (keine Energieerzeugung) und grenzt die kurze Fluoreszenz-Lebensdauer klar von der länger nachleuchtenden Phosphoreszenz ab.
Berechnung8 Punkte

2. Eine Tagesleuchtfarbe wird in 7 Spritzgängen aufgetragen, je 40 µm nass, bei einem Volumenfestkörper von 45 %. Berechnen Sie die Gesamt-Trockenschichtdicke. Welche Annahmen müssen erfüllt sein, damit sich die Trockenschichtdicken der einzelnen Gänge einfach addieren lassen, und welche praktischen Abweichungen können auftreten?

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Trockenschicht je GangTSD = NSD · VFK/100 = 40 µm · 45/100 = 18 µm
Gesamt18 µm · 7 Gänge = 126 µm
Annahmen für einfache AdditionDer Volumenfestkörper ist für alle Gänge gleich, jeder Gang wird mit derselben Nassschichtdicke aufgetragen, und aus jedem Gang entweicht der flüchtige Anteil vollständig — bleibt Lösemittel im Film zurück, gilt die Beziehung TSD = NSD · VFK/100 nicht mehr. Ausreichendes Ablüften zwischen den Gängen ist dafür die praktische Voraussetzung.
Praktische AbweichungenUngleichmäßiger Auftrag, unterschiedliche Ablüftzeiten zwischen den Gängen, Lösemittelrückhalt in unteren Schichten oder Verlauf/Nivellierung können die tatsächliche Gesamtschichtdicke von diesem rechnerischen Wert abweichen lassen.
Warum das eine Eins verdientDie Trockenschicht je Gang wird korrekt aus dem Volumenfestkörper berechnet; zusätzlich werden die Additivitätsannahmen und mögliche Praxisabweichungen fachlich richtig benannt.
Anwendung6 Punkte

3. Warum wird über die Tagesleuchtschicht ein Klarlack gesetzt, welche Rolle spielen UV-Absorber und HALS dabei, und welcher Zielkonflikt kann bei der UV-Absorption entstehen?

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ProblemDie Fluoreszenzfarbstoffe haben eine geringe UV-/Lichtechtheit und bauen unter Sonnenlicht vergleichsweise schnell ab.
UV-Absorber und HALSEin Klarlack filtert UV-Strahlung nur, wenn er geeignete UV-Absorber enthält, die die relevanten Wellenlängen wirksam absorbieren; HALS sind keine UV-Filter im engeren Sinn, sondern fangen bei der photooxidativen Schädigung entstehende Radikale ab und bremsen so den Abbau zusätzlich.
ZielkonfliktAbsorbiert der UV-Absorber auch im Bereich der Anregungswellenlängen des Fluoreszenzfarbstoffs, schützt er zwar die Schicht, schwächt aber gleichzeitig die Fluoreszenzanregung und damit die Leuchtkraft — UV-Schutz und Leuchtkraft müssen deshalb sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.
Warum das eine Eins verdientDie Antwort unterscheidet UV-Absorber und HALS korrekt und erkennt den Zielkonflikt zwischen UV-Schutz und Fluoreszenzanregung.

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