Der Lacklaborant Lernwerk

Alle Tafeln › Kapitel 7 · Wasserlacke und Elektrotauchlackierung

L-82

Wasserverdünnbare, oxidativ härtende Alkydharze

Maleinsäureanhydrid schafft die Carboxylgruppen fürs Wasser

Prüfungsteil 2A 10 · B 12

KernaussageEin mit Maleinsäureanhydrid modifiziertes Alkydharz trägt freie Carboxylgruppen, die neutralisiert werden — die oxidative Trocknung bleibt dabei erhalten.

Das Grundproblem

Ein normales Alkydharz (siehe L-16) ist unpolar und nicht wasserlöslich. Um es wasserverdünnbar zu machen, braucht man freie Carboxylgruppen (–COOH) im Molekül, die mit einem Amin neutralisiert werden können. Der häufigste Weg: nachträgliche Reaktion mit Maleinsäureanhydrid (MAH).

Maleinsäureanhydrid (C₄H₂O₃) hat die Struktur –CO–CH=CH–CO–, wobei beide C=O-Gruppen über ein gemeinsames Sauerstoffatom zu einem 5-gliedrigen Anhydridring geschlossen sind. Dieses Molekül hat eine eigene C=C-Doppelbindung — damit reagiert es mit einer Doppelbindung in der Fettsäurekette des Alkydharzes und hängt sich dort an. Beim anschließenden Kontakt mit Wasser öffnet sich der Anhydridring: aus einem Ring entstehen zwei freie –COOH-Gruppen. Schritt für Schritt: Fettsäure–CH=CH– + MAH → Addukt (Anhydridring noch geschlossen) → + H₂O → –COOH + –COOH → + Amin → –COO⁻ · H⁺Amin (wasserlösliches Salz).

MAH ist nicht die einzige Möglichkeit: Trimellithsäureanhydrid (TMA, C₉H₄O₅) wird direkt in der Synthese eingebaut und liefert von Haus aus eine freie COOH-Gruppe pro TMA-Einheit — typisch für Einbrenn-Alkydharze. Acrylsäure-Pfropfung setzt COOH radikalisch auf die Kette. Und PEG-Segmente (Polyethylenglykol-Einheiten) im Rückgrat machen das Harz ohne Neutralisation selbstemulgierend — kein Amin nötig, aber PEG bleibt im Film und mindert die Wasserfestigkeit.

Neutralisation wie gewohnt

Die entstandenen Carboxylgruppen werden wie bei anderen wässrigen Bindemitteln mit einem Amin neutralisiert (siehe L-75); die nötige Aminmenge folgt aus der Säurezahl: m(Amin) = M(Amin) · SZ · m(Harz) / 56 100 (SZ in mg KOH/g). Wichtiger Unterschied: Die Löslichkeit hängt zusätzlich von der Verteilung der Carboxylgruppen im Molekül ab — gleichmäßig verteilte Gruppen lösen sich besser als geballte. Der Hersteller stimmt Reaktionsführung und Molmasse darauf ab.

Die oxidative Trocknung bleibt

Trotz der Modifizierung härtet das Harz weiterhin oxidativ über die verbleibenden Doppelbindungen seiner Fettsäuren (siehe L-14). Sikkative bleiben also notwendig; sie werden meist als wasserlösliche oder emulgierte Salze zugegeben, da die üblichen Sikkativlösungen selbst unpolar sind.

Colösemittel und Verarbeitung

Butylglykol (2-Butoxyethanol, C₆H₁₄O₂) hat die Struktur CH₃–CH₂–CH₂–CH₂–O–CH₂–CH₂–OH: ein unpolares Butylende (löst das Harzmolekül) und eine polare OH-Gruppe (vollständig mit Wasser mischbar). Es wirkt als Brücke — ohne Butylglykol würde das Harz beim Verdünnen mit Wasser ausfallen; mit Butylglykol bleibt die Lösung klar und stabil. Siedepunkt 171 °C: Butylglykol verdunstet langsam und verbessert den Verlauf des Films. Wasserverdünnbare Alkydharze sind meist ein Kompromiss: etwas geringere Beständigkeit als lösemittelhaltige Alkydharze, dafür deutlich weniger Lösemittelemission (siehe L-168).

Anwendung

Eingesetzt werden sie für Bautenlacke, Heimwerkerlacke und emissionsarme Industrielacke — überall dort, wo die einfache Verarbeitung und oxidative Trocknung eines Alkydharzes gefragt sind, aber Lösemittel vermieden werden sollen. Sie ersetzen dort zunehmend rein lösemittelhaltige Alkydharzsysteme.

Merksatz

Wichtig für die Praxis: Maleinsäureanhydrid liefert die Carboxylgruppen, die Neutralisation macht das Alkydharz wasserlöslich — die oxidative Trocknung mit Sikkativ bleibt unverändert — nur der Weg zur Löslichkeit ändert sich.

wasserverdünnbares AlkydharzMaleinsäureanhydridCarboxylgruppeNeutralisationoxidative TrocknungSikkativColösemittelButylglykolBautenlackEmission
Quellen
  • Müller/Poth, Lackformulierung und Lackrezeptur
  • Brock/Groteklaes/Mischke, Lehrbuch der Lacktechnologie

Übungsblatt Ü-82

Prüfen, ob es sitzt.

Verständnis8 Punkte

1. Wie wird ein normales Alkydharz für die Anwendung in Wasser umgebaut, und was bleibt dabei unverändert?

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UmbauMan baut durch Reaktion mit Maleinsäureanhydrid zusätzliche Carboxylgruppen an die Fettsäurekette ein.
NeutralisationDiese Carboxylgruppen werden mit einem Amin neutralisiert und machen das Harz dadurch wasserlöslich (siehe L-75).
UnverändertDie oxidative Trocknung über die Doppelbindungen der Fettsäuren bleibt erhalten — Sikkative sind weiterhin nötig.
KernpunktNur der Löslichkeitsmechanismus ändert sich, der Härtungsmechanismus bleibt derselbe wie beim lösemittelhaltigen Alkydharz.
Warum das eine Eins verdientDer Umbau (Maleinsäureanhydrid, Neutralisation) wird korrekt beschrieben und klar von der unverändert bleibenden oxidativen Trocknung abgegrenzt.
Berechnung9 Punkte

2. Ein wasserverdünnbares Alkydharz hat eine Säurezahl von 45 mg KOH/g. 800 g davon sollen mit Triethylamin (M ≈ 101 g/mol) vollständig neutralisiert werden. Wie viel Amin wird benötigt? (M(KOH) = 56,1 g/mol)

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Formelm(Amin) = M(Amin) · Säurezahl · m(Harz) / 56 100
Einsetzenm(Amin) = 101 · 45 · 800 / 56 100
Rechnung= 3 636 000 / 56 100 ≈ 64,8 g
AntwortsatzFür die vollständige Neutralisation werden rund 64,8 g Triethylamin benötigt.
Warum das eine Eins verdientDie Neutralisationsformel wird korrekt mit Säurezahl und Aminmolmasse angewandt — dasselbe Verfahren wie bei anderen wässrigen Bindemitteln (siehe L-75).
Anwendung7 Punkte

3. Für einen emissionsarmen Heimwerkerlack wird ein wasserverdünnbares Alkydharz gewählt. Welchen Nachteil gegenüber dem klassischen, lösemittelhaltigen Alkydharz nehmen Sie dafür in Kauf, und warum ist das vertretbar?

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NachteilEtwas geringere Beständigkeit als beim lösemittelhaltigen Alkydharz, bedingt durch die eingebauten Carboxylgruppen und den geringeren Vernetzungsgrad.
Warum vertretbarFür einen Heimwerkerlack stehen geringe Emission, Geruchsarmut und einfache Reinigung der Werkzeuge mit Wasser im Vordergrund, nicht Höchstbeständigkeit.
KompromissDer Beständigkeitsverlust ist für diesen Einsatzzweck akzeptabel, für einen hochbeanspruchten Industrielack wäre er das nicht.
FazitDie Wahl richtet sich nach der Anwendung, nicht nach der maximal erreichbaren Beständigkeit.
Warum das eine Eins verdientDer Nachteil wird korrekt benannt und die Abwägung anwendungsbezogen begründet — die geforderte Verbindung von Chemie und Praxis.

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